Planung, Bau und Produktion 1943

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BMW-Abwasserplanung vom 12. April 1942: „Gefangenenlager in Allach”.

Geplant für zunächst ca. 2.700 KZ-Häftlinge entstand ab dem Herbst 1942 in einem ersten „Bauabschnitt“ auf einem Ackergelände östlich der Dachauer Straße gegenüber dem BMW-Werk Allach das KZ-Außenlager Dachau-Allach mit Kanalisation, Wegen, 18 Wohn-, einer Kranken- und Arbeitseinsatzbaracke, sechs Sanitärbaracken sowie dem SS-Wachlager. Das Lagerareal hatte eine Größe von ca. 6,25 ha und war 255 Meter breit und 230 Meter lang. 12 der 22 Pferdestallbaracken 1) wurden ab Januar 1943 vom Kommando BMW-Bau- und Fertigung als KZ-Baracken genutzt. Häftlinge berichten von einem etwa 600 Mann starken Vorauskommando, das das Lager zum Bezug vorbereiten sollte. 2) Teilweise fehlten Anfang März 1943 in den Baracken noch die Fußböden. Die Kanalisierung des Schwabenbächls war fast abgeschlossen. Im BMW-eigenen Baukommando arbeiteten KZ-Häftlinge ab Februar 1943 zunächst am Lager- und Werksausbau. 3) Der erstmalige Einsatz von Häftlingen des KZ-Außenlagers in der BMW-Fertigung Allach begann im April 1943. Vorher wurden die KZ-Häftlinge in mehrwöchigen Kursen in den einzelnen Arbeitskommando Produktion von BMW-Meistern an den Maschinen und den entsprechenden Fertigkeiten angelernt. 4) 

Um jedwede Flucht zu verhindern, wurde der Weg zum BMW-Werk ab Herbst 1943 mit Maschen- und Stacheldrahtzaun („Hühnerkäfig“) gesichert. Die SS-Bewacher liefen mit ihren Hunden außerhalb des Zauns. Hintergrund für diesen Wegebau waren die zunehmenden Fluchten der KZ-Häftlinge sowie der Personalmangel bei den SS-Wachmannschaften. Zweimal täglich marschierten die KZ-Häftlinge diesen Weg in Fünferreihen. 5) Alle Pferdestallbaracken hatten ein Maß von ca. 10 x 41 Meter. Ende Dezember 1943 war das Lager mit ca. 4.000 KZ-Häftlingen bereits überbelegt. Auf 400 Quadratmeter hausten bis zu 250 Mann. An beiden Barackenenden befand sich jeweils eine Kammer für die Funktionshäftlinge: im vorderen Teil neben dem Eingang die des Blockältesten und  Blockschreibers, im hinteren Teil die für Kapos und Hilfskapos. Die KZ-Häftlinge schliefen auf dreistöckigen Pritschen auf Papierstrohsäcken. 6) „Es gab genug Ritzen, durch die man hindurchsehen konnte, wie das Wetter war. Im großen Raum musste tagaus und tagein Licht brennen, weil kein Tageslicht hineinkam. An den Wänden standen die Betten zweistöckig hintereinander und in der Mitte standen Tische und Bänke [in] einer Reihe. Die Baracken waren nach nationalen Gruppen belegt. In der Nacht wurden die Bänke auf die Tische gestellt, weil für die drei großen Kübel Platz gemacht werden musste. In der Nacht durfte keiner den Block verlassen, denn sonst wurde gleich geschossen.“ 7)

Der Bau des sich nördlich anschließenden SS-Wachlagers zur Unterbringung von etwa 400 - 600 Wachsoldaten war Anfang Februar 1943 abgeschlossen. Nachweise des WVHA (SS Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt) bestätigen ab März 1943 eine Lagerbelegung in Allach mit über 2.300 KZ-Häftlingen. Auffallend ist der hohe Anteil sowjetischer KZ-Häftlinge, deren Anteil Anfang 1944 über 2.000 Häftlinge ausmachte. 8) BMW-Intern wurden alle KZ-Häftlinge als Lohnempfänger („Gefolgschaftsmitglieder“) geführt. Diese Häftlinge waren von der SS an BMW vermietet. 

Der Lagerbetrieb des KZ-Außenlagers Dachau-Allach begann Mitte Februar 1943 mit einer Katastrophe: Eine Typhusepidemie war im Lager ausgebrochen. Vermutlich war die Seuche von ankommenden Häftlingen aus anderen Lagern eingeschleppt worden. Da das Hauptlager in Dachau bereits unter Quarantäne stand, wurden die Häftlingstransporte aus anderen Lagern direkt nach Allach umgeleitet. Bis Ende Mai 1943 waren 78 Todesopfer festgestellt, davon starben 25 an TBC und 53 KZ-Häftlinge an Typhus. Eine solche Katastrophe sollte sich im Lager gegen Kriegsende 1945 noch einmal wiederholen. Sie zeigt, dass von Anbeginn die hygienischen und medizinischen Verhältnisse innerhalb des Lagers extrem schlecht waren. 9)
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1) Die im KZ-Außenlager Dachau-Allach verwendeten Pferdestallbaracken waren vom Oberkommando des Heeres (OKH) als Normbaracken für verschiedene Zwecke entwickelt worden. Die eingesetzte Barackentyp war bereits anderorts erfolgreich als Pferdestall, Fahrzeug und Unterkunftsbaracke (KZ-Auschwitz) eingesetzt worden. Die  angelieferten Fertigbauteile konnten von wenigen Arbeitern innerhalb kurzer Zeit montiert werden. Ursprünglich für die Unterbringung von bis zu 168 Mann ausgelegt und geplant, waren in diesen Baracken gegen Kriegsende ab Mitte April 1945 bis zu 500 KZ-Häftlinge eingepfercht. Durch die Oberlichter war der Raum nur spärlich erleuchtet. Deshalb brannte über den gesamten Tag Licht. Die inneren Stützpfosten standen auf Beton- oder Ziegel-, die übrige Konstruktion auf Beton- oder Holzrahmenfundamenten. Die gestampften Lehmfußböden wurden ab Sommer 1943 durch Betonestriche ersetzt. Am Ende der Baracke befand sich ein Ofen. Beidseitig der „Pferdestände” standen dreistöckige Bettgestelle, in denen die Häftlinge nach 12-stündiger Arbeit ruhten. Durch Tag- und Nachtschichtwechsel konnten doppelt so viele Häftlinge die Schlafstellen nutzen. Die Sanitäranlagen befanden sich außerhalb der Baracken, die Nachts zugesperrt waren. Die Notdurft musste deshalb in Fässern verrichtet werden. 
2) Vgl. dazu den Bericht: Gustav-Alfred Carl, KZGSD Archiv 6444, Carl spricht von einem Vorauskommando, nennt aber nur fünf Personen.
3) Vgl. Lagerkommandant Josef Jarolin in: KZGSD Archiv 24718.
4) Vgl. ebd. Wörtlich heißt es dort: „Am 12. April 1943 kamen erstmals Häftlinge in der BMW-Flugmotorenfertigung als Anlernlinge zum Einsatz. Seither gingen rund 2.000 Häftlinge durch die BMW-Lehrwerkstätten, um nach 4 - 10 wöchiger Dauer der Anlernzeit (Umschulung) in den Fertigungsbetrieb der BMW als Maschinenarbeiter (Bohrer, Dreher, Fräser, Schleifer, Schlosser u.s.w.) und als Spezialarbeiter (Einsteller, Prüfer u.s.w.) eingereiht zu werden.“ 
5) Vgl. dazu: Laffitte, Henri. Allach Kommando de Dachau, Paris 1982 .
6) Vgl dazu Josef Bialy, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/2, Blatt 345 f.
7) Rupert Schmidt, * 28.4.1899, KZGSD Archiv 552/1.

8) Nach der Genfer Konvention haben Kriegsgefangene einen besonderen Schutz, den das NS-Regime jedoch den russischen und zeitweise auch den italienischen (IMI) und französischen Kriegsgefangenen versagte. Danach war es verboten, Kriegsgefangene in der Rüstungsindustrie arbeiten zu lassen.4) Vor allem mit Hilfe der russischen Kriegsgefangenen sollte ab 1943 der Arbeitskräftemangel im BMW-Flugmotorenbau beseitigt werden. Südlich des BMW Wohnlagers Ludwigsfeld befand sich seit 1942 an der Dachauer Straße ein russisches Kriegsgefangenenlager. Das Lager wurde durch die SS bewacht, Lagerführer und Kommandant war SS-Hauptsturmführer Fritz Degelow.
9) Hier zeigt sich die große Fehleinschätzung des Gesundheitszustandes der ankommenden Häftlinge durch die SS. Schreiben des SS-Obersturmbannführers Liebehenschel vom 25.2.1943 an die Konzentrationslager in: BArch NS 4-FL/390. 

 

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