Befreiung des Frauenlagers im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld. Die ursprüngliche Bildunterschrift lautet: „Nachdem amerikanische Truppen angekommen waren, wurde von den Gefangenen des Gefangenenlagers Dachau eine selbstgemachte amerikanische Flagge gehisst. Während sie im Wind wehte, schien sie die Freude von Insassen widerzuspiegeln, die zum ersten Mal seit vielen Jahren Freiheit erleben.“ Drei Überlebende auf dem Foto sind: Martin Kaufman (geb. in Krashnik, Polen); Leizer Fajerman (geb. Sulejow, Polen, rechts stehend in einem Ganzmantel mit einer Zigarette in der Hand); und Irving Miesing (Yitzhak Misengiser). Der Mann im langen Mantel wurde alternativ als Eli Okon aus Bialystock identifiziert. Foto: New York State Military Museum.
Fotograf: Arland B. Musser, Datum: 30. April 1945

Die Befreiung des KZ-Außenlagers Dachau-Allach erfolgte am 30. April 1945 um 11:30 Uhr 1) morgens, nachdem die SS das Außenlager am 28. April verlassen und US-Granaten in der Nacht zuvor die östlich des Lagers gelegene schwere Flakstellung 1s/457 zerstört hatten. Sie war bis zuletzt u.a. von Jugendlichen des Volkssturms (Hitlerjungen unter Führung der SS) besetzt gewesen. Vermutlich hatten die US-Soldaten mit ihren Granatwerfern beim „einschießen” auf die Stellung östlich des Außenlagers den Revierblock und das Frauenlager getroffen. Der Arzt Henri Laffitte berichtet von drei Todesopfern und 23 zum Teil schwerverletzten Frauen. Er schreibt dazu: „Es war wirklich der Gipfel der Ironie, dass in der Stunde so kurz vor der Befreiung (Dachau war am 29. befreit worden) einige von uns durch amerikanische Granaten getötet oder verwundet wurden. Und doch überlassen wir das Wort dem Doktor Boutbien, der, mit dem Kommando Ersingen gekommen, die Juden und den Typhus pflegte und dem Chirurgen Laffitte half, die Verwundeten der letzten Stunde zu operieren: ‚In der Nacht mussten wir unter besonders außergewöhnlichen Bedingungen operieren. Ein jüdischer Arzt, der an unserer Seite war, wurde vor unseren Augen von einem Granatsplitter erschlagen. 2) Trotzdem setzten wir die Operation an einer Frau fort, deren Seite durchstochen wurde; durch ein Stück Granatsplitter, mit rudimentären Mitteln und knapper Betäubung. Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und unser Bestes getan, um dieses große Elend zu lindern.’ ” 3)
Am 30. April 1945 befreiten die Soldaten der K- und C-Kompanie des 1. Bataillons des 157. Infanterieregiments (IR) der 45. Infanteriedivision (ID) der 7. US-Armee das KZ-Außenlager Dachau-Allach. Vorher meldete bereits die K-Kompanie, dass sie den Frauenbereich betreten hatte. 4) Die 45. Infanteriedivision stoppte ihren Vormarsch nach München und die K-Kompanie blieb drei Tage in Allach. Die Soldaten berichteten, dass sie, um den Gefangenen zu helfen, ihre Rationen teilten. 5) Laut Bericht des XV. Korps G-5 (Militärregierung und zivile Angelegenheiten) vom 5. Mai 1945, befanden sich 9.454 Gefangene in Allach.
Der S-3 (Operationsoffizier) berichtet im Journal des 157. Infanterieregiments und meldet den Einmarsch der Kompanie B in das KZ-Außenlager Dachau-Allach. Im Tagebuch der Infanteriedivision G-3 (Operations- und Ausbildungsabteilung) wird über die Befreiung des KZ-Außenlager Dachau-Allach durch das 157. Infanterieregiment berichtet. Geschätzt werden zunächst 8.000 Gefangene. Die Kompanie A wurde mit der Kontrolle von Allach beauftragt, bis sie von Kompanie K abgelöst wurde.
Gabriel Riviere beschreibt die Befreiung. „Aber jetzt sind da Männer, die wie Verrückte durch das Lager laufen... Sie zeigen mit den Fingern auf ein khakifarbenes Gewimmel: Soldaten, halb gebückt, halb kriechend, unter der nahen Eisenbahnbrücke (...) Sie stehen auf, kommen aus dem Schatten, breiten sich in Schützenlinie aus, die Gruppe kommt im Laufschritt auf das Lager zu. Ein amerikanisches Freikorps (...) Ein einziger Schrei: ‚Da sind sie! (...) Da sind sie! (...)‘ Es ist wie ein Rausch vor den Blocks (...) Es wird gelacht, geweint, umarmt (...) Man umarmt die Befreier, umringt sie so, dass sie fast ersticken. Jeder will sie anfassen, um sicher zu gehen, dass er nicht träumt. Es sind fast noch Kinder, die sich jetzt sprachlos anschauen und mit weit aufgerissenen Augen auf diese unbeweglichen Haufen blicken. Die Leichenhaufen. (...) In den Krankenblocks versuchen die Häftlinge aufzustehen. Die meisten fallen wieder hin, reglos, manche überwältigt vor Freude. (...) Als einige amerikanische Offiziere völlig bestürzt und schweigend ob dieses entsetzlichen Schauspiels die Blocks betreten, finden sie eine unfassbare Parade von lebenden Skeletten in Habachtstellung. Auf den Matratzen weinen einige, ihre mageren Schultern beben vor lauter Schluchzen (...) Sie weinen über diese Freiheit, die sie so lange erhofft hatten und die sie heute nur erlangen, um zu sterben (...)“. 6)
Die „Befreiungsaufnahme” oben ist nicht gestellt. Sie stammt vom 30. April 1945 - vom Tag der Befreiung. Die Aufnahme vermittelt ungläubiges Staunen und eine unendliche Freude der Befreiten.
Das Befreiungsvideo wurde von US-Armeekameramann Gerzen am 30. April 1945 aus Anlass der Befreiung des KZ-Außenlagers Dachau-Allach am 4. Mai 1945 zusammengeschnitten. Die Szene am Holzwachturm und den jubelnden Häftlingen ist mit dem Originaldatum der Befreiung versehen und demnach am Tag der Befreiung aufgenommen worden. Die Befreier aus der K- und C-Kompanie gehörten zur 7. US-Armee, 45th Division, 157th Infanterie-Regiment, 1th und 3th Battaillon. Die K-Kompanie blieb 3 Tage und teilte ihre Rationen. Einige Aufnahmen wurden vermutlich von dem etwa 3m höher gelegenen „Moll-Gleis” gedreht. Zu sehen ist auch der Eingang zum O.T.-Lager Allach Karlsfeld, über dem der handgenähte „Union Jack” weht. Auch dieser Teil wurde am Befreitungstag aufgenommen. In der jubelnden Menge sind weibliche Häftlinge aus dem Frauenlager zu sehen. 7) Teile des Lagereingangs - besser das Fundament des Eingangs - wurde 2025 beim Bau des Sportheims archäologisch freigelegt.
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1) April 30, 1945 S-3 (Operations Officer) Journal 157th Infantry Regiment reporting Company B entering Allach.
2) Bei dem Arzt handelte es sich um Dr. Molnar.
3) Henri Laffitte, Allach, Kommando de Dachau, Mai 1982. Amicale des Anciens de Dachau, S. 147 f.
4) Company K
5) Gabriel Riviere, Ein Lager wie alle anderen, Typoscript. Archiv KZGSD.
6) Ebd.
7) Im Frauenlager befanden sich zum Zeitpunkt der Befreiung 84 aus dem Transport Geislingen und 104 Frauen aus Kaufering IV, die am 27.4.1945 im Außenlager ankamen.
