Die Befreiung des Außenlagers
Gelb: Joseph Sanguedolce, Blau: Andre Maratrat, Rot: Raoul Vignettes, Braun: Julius Eisenstein, Grün: Willi Löwenberg

Die Befreiung des KZ-Außenlagers Dachau-Allach erfolgte am 30. April 1945 gegen 11 Uhr morgens, nachdem US-Artillerie in der Nacht zuvor die östlich des Lagers gelegene schwere Flakstellung 1s/457 zerstört hatten. Sie war bis zuletzt u.a. von Jugendlichen des Volkssturms (Hitlerjungen unter Führung der SS) besetzt gewesen. Vermutlich hatte die US-Artillerie beim „einschießen” versehentlich im Außenlager den Revierblock und das das Frauenlager getroffen. Der Arzt Henri Laffitte berichtet hier von mehreren Todesopfern und etwa 20 zum Teil schwerverletzten Frauen. 1) 

Am 30. April 1945 befreiten Soldaten des 1. Bataillons, C-Kompanie des 157. Infanterieregiments (IR) der 45. Infanteriedivision (ID) das KZ-Außenlager Dachau-Allach. Die K-Kompanie meldete zuerst, dass sie den Frauenbereich betreten hatte. 1) Die 45. Infanteriedivision stoppte zunächst ihren geplanten Vormarsch nach München. Die K-Kompanie blieb drei Tage in Allach. Sie berichteten, dass sie, um den Gefangenen zu helfen, ihre Rationen teilten. Die 42. ID befreite einen weiteren Teil des KZ-Außenlagers (SS-Arbeitslager). 2) Laut dem Bericht des XV. Korps G-5 (Militärregierung und zivile Angelegenheiten) vom 5. Mai 1945 befanden sich 9.454 Gefangene in Allach. Die 45. ID gehörte zum XV. Korps. Am 30. April 1945 meldet der S-3 (Operationsoffizier) im Journal des 157. Infanterieregiments den Einmarsch der Kompanie B. 3)

Riviere beschreibt die Befreiung:
„Aber jetzt sind da Männer, die wie Verrückte durch das Lager laufen... Sie zeigen mit den Fingern auf ein khakifarbenes Gewimmel: Soldaten, halb gebückt, halb kriechend, unter der nahen Eisenbahnbrücke (...) Sie stehen auf, kommen aus dem Schatten, breiten sich in Schützenlinie aus, die Gruppe kommt im Laufschritt auf das Lager zu. Ein amerikanisches Freikorps (...) Ein einziger Schrei: ‚Da sind sie! (...) Da sind sie! (...)‘ Es ist wie ein Rausch vor den Blocks (...) Es wird gelacht, geweint, umarmt (...) Man umarmt die Befreier, umringt sie so, dass sie fast ersticken. Jeder will sie anfassen, um sicher zu gehen, dass er nicht träumt. Es sind fast noch Kinder, die sich jetzt sprachlos anschauen und mit weit aufgerissenen Augen auf diese unbeweglichen Haufen blicken. Die Leichenhaufen. (...) In den Krankenblocks versuchen die Häftlinge aufzustehen. Die meisten fallen wieder hin, reglos, manche überwältigt vor Freude. (...) Als einige amerikanische Offiziere völlig bestürzt und schweigend ob dieses entsetzlichen Schauspiels die Blocks betreten, finden sie eine unfassbare Parade von lebenden Skeletten in Habachtstellung. Auf den Matratzen weinen einige, ihre mageren Schultern beben vor lauter Schluchzen (...) Sie weinen über diese Freiheit, die sie so lange erhofft hatten und die sie heute nur erlangen, um zu sterben (...)“. 1) Alle "Befreiungsaufnahmen" sind gestellt und „Propagandaaufnahmen”. Sie stammen vom 1. Mai 1945 - entstanden also 1 Tag nach der Befreiung - und „spielen die Befeiung” nach, vermitteln dennoch nicht nur einen räumlichen Eindruck. Die Freude darüber war sicher echt. Das Befreiungsvideo wurde von US-Armeekameramann Gerzen am 30. April 1945 aus Anlass der Befreiung des KZ-Außenlagers Dachau-Allach am 4. Mai 1945 gedreht. Die Befreier gehörten zur 7. US-Armee, 45th Division, 157th Infanterie-Regiment, 1th und 3th Battaillon. Einige Aufnahmen wurden vermutlich von dem etwa 3m höher gelegenen "Moll-Gleis" gedreht. Zu sehen ist auch der Eingang zum O.T.-Lager Allach Karlsfeld, über dem der handgenähte „Union Jack” weht. Dieser Lagereingang - besser das Fundament des Eingangs - wurde vor kurzem beim Bau des Sportheims 2025 archäologisch freigelegt. In der jubelnden Menge des Films sind auch weibliche Häftlinge aus dem Frauenlager zu sehen.

 

2. von und 3. von links: Private Arthur Toratti, 1st Platoon und George Babel, C-Company, aus dem 157th. Infanterie Regiment. 

1) Henri Laffitte, Allach, Kommando de Dachau, Mai 1982. Amicale des Anciens de Dachau, S.
2) Danach wurde das Frauenlager durch die K-Companie zuerst befreit. 
2)
3)
4) Riviere; Ein Lager wie alle anderen, Typoscript, S. übersetzt von Marie Temme. 

 

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