KZ-Häftlinge im Rüstungseinsatz

Login

Administrationsbereich.

Bitte Passwort eingeben.

!!! JavaScript und Cookies müssen aktiviert sein !!!
Name (optional):

Passwort:


Der Einsatz von KZ-Häftlingen aus dem SS-Arbeitslager bei BMW-Allach.

Ab März 1943 begann ein zusätzlicher Einsatz von KZ-Häftlingen aus dem KZ-Dachau. Edgar Kupfer-Koberwitz berichtet von einem BMW-Baueinsatz im Werk Allach von zusätzlichen etwa 1.600 KZ-Häftlingen, die dort Bunker errichteten. 1) 

Arbeitslager Allach im Rüstungseinsatz 1943 - 1944
 
 
1943
 
Monate
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Kommandos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fertigung-BMW
 
 
 
120
388
879
1027
1389
1325
1835
2189
2270
Bau-BMW
 
99
1211
1132
994
688
731
748
829
1312
1069
1715
Bau-O.T.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Einsatzsumme
 
99
1177
1252
1382
1567
1758
2137
2154
3147
3258
3985
Nichteinsatz
 
 
34
41
85
115
110
121
113
163
175
216
Bed. Einsatzfähig
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
Summe KZ-Lager
 
99
1245
1293
1467
1682
1868
2258
2267
3310
3433
4201

 

 
 
1944
 
Monate
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Kommandos:
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Fertigung-BMW
2529
2810
2148
2113
2831
2145
2362
2263
2976
2800
2850
2208
Bau-BMW
992
748
1102
1441
1350
1350
296
358
445
302
296
254
Bau-O.T.
 
 
 
 
 
 
924
963
924
1062
1080
881
Einsatzsumme
3521
3558
3850
4154
4181
3495
3582
3584
4345
4164
4226
3343
Nichteinsatz
201
327
350
208
283
201
352
214
1505
1127
314
942
Bed. Einsatzfähig
 
 
 
 
 
 
 
 
75
30
13
15
Summe KZ-Lager
3722
3885
4200
4362
4464 
3696
3934
3798
5925
5321
4553
4300

 

Der Einsatz jüdischer KZ-Häftlinge in der Bau O.T aus dem O.T.-Lager Allach-Karlsfeld.

Ihr Einsatz begann ab Juli 1944. Mit zunehmenden Einsatz der jüdischen KZ-Häftlinge aus dem O.T.-Lager Allach-Karlsfeld ab Juli 1944 wurde das BMW-eigene Baukommando reduziert. 

O.T.-Lager Allach-Karlsfeld im Baueinsatz 1944 - 1945
  1944 1945
Monate
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Januar
Februar
März
April
Einsatz O.T.-Bau
 
850
1211
1278
1261
1178
1143
1007
977
770
Baueinsatz
 
786
1073
1043
777
506
35
36
7
0
Bau O.T.
924
963
924
1062
1080
881
 
 
 
 
Nichteinsatz Bau O.T.
318
49
138
235
484
677
1108
971
970
770
Gesamteinsatz Bau O.T.
 
567
647
683
602
625
 
 
 
 
Frauen
 
 
 
 
1506
 
 
 
 
1027
Tote
 
3
2
10
34
50
50
20
14
4
O.T.-Lagerbelegung
818
849
1241
1324
1365
1223
1160
1096
1147
1119
© by Klaus Mai, München 2026 
 
Zur besseren Übersicht hier die Entwicklung der drei BMW-Kommandos als Liniendiagramm. Die Ausbildung der Häftlinge an den Maschinen dauerte bis zu sechs Wochen. Ihr Einsatz in der BMW-Flugmotorenproduktion begann deshalb folgerichtig ab Mitte April 1943. Ab Mai 1944 begann die Verlagerung eines Teils der Produktion nach Markirch (Elsass) in den Eisenbahntunnel. Über 700 KZ-Häftlinge aus der Dachau-Allach wurden überstellt. Schon ab September 1944 erfolgte ihre Rücküberstellung nach Dachau-Allach. Grund war das Vorrücken der Alliierten. 
 

Der Einsatz der KZ-Häftlinge in der Flugmotorenproduktion in Allach begann ab April 1943. Bis Jahresende wuchs die Zahl der im BMW Werk II beschäftigten KZ-Häftlinge des Kommandos Fertigung auf 2.270, die des Kommandos Bau auf 1.715 an. Insgesamt arbeiteten 3.985 aus dem Lager Dachau-Allach im Dezember 1943 für BMW-Allach. Hinzu kamen die SS-Strafgefangenen mit fast 1.050 Häftlingen. Hier zeigt sich, dass der Arbeitskräftebedarf der Rüstungsindustrie allein über Kriegsgefangene nicht mehr zu decken war und vor allem auf KZ-Häftlinge zurückgegriffen werden musste. Die hohe Sterblichkeit in den Monaten November, Dezember und Januar 1944/45 ist durch die Behandlung der SS auf der BMW-Bunkerbaustelle verursacht. Deutlich erkennbar auch der Einsatzbeginn der jüdischen Häftlinge. Mit der Lagererweiterung durch das O.T-Lager Allach-Karlsfeld im Juli 1944 konnte das reguläre Kommando Bau reduziert werden. Der BMW-Hallenbunker wird fortan überwiegend von jüdischen Häftlingen weiter erbaut. Die Juden kosten auch BMW nichts.

 

Austrittsgründe der Lohnempfänger im 1. Halbjahr 1943 bei BMW-Allach
    Deutsche Ausländer Kriegsgef.   %
    männl. weibl. männl. weibl.   Insges.  
1. Durch Arbeitsamt abgezogen 7 3 26 1 1 38 2,60 %
2. Austritt zur Wehrmacht 2   16     18 1,20 %
3. Rückberufungen von Wehrmachtsurlaubern 12         12 0,80 %
4. Auf Veranlassung militärischer Stellen 24   2   265 291 20,20 %
5. Rückführung von Italienern     149     149 10,30 %
6. Vertragsende     115     115 8,00 %
7. Gestorben 8   4   4 15 1,10 %
8. Krankheit, Alter 29 18 154 18   226 15,70 %
9. Geflüchtet   11 275 11 27 313 21,70 %
10. Kriminelle Vergehen 2 2 8 2   15 1,00 %
11. Verstoß gegen die Betriebsordnung 1   1   1 3 0,20 %
12. Ungeeignet 4 1 3 1   8 0,60 %
13. Familiäre Gründe 16 6 12 6   56 3,90 %
14. In beidseitigem Einverständnis 2 1 22 1   26 1,80 %
15. Versetzung nach oder Austausch mit 5   2     7 0,50 %
  anderen Konzernwerken *)              
16. Sonstige Gründe 9 1 47 1   57 4,00 %
17. SS- und KZ.-Strafgefangene     93     93 6,40 %
                100,00 %
  Summe reine Austritte: 114 51 939 41 298 1443  
  dazu Einberufungen u. Abkommand. 319         319  
  Dienstverpflichtungen 5   1     6  
  Übernahmen ins AV. 79 52 1 1   143  
  Insgesamt 517 103 941 42 298 1911  
  München, den 31.7.1943              
  *) ohne Versetzungen zwischen den Werken München und Allach     © Klaus Mai, München 2026 - alle Rechte vorbehalten

Das Fachkräfteproblem im ersten Halbjahr 1943 in der Allacher Flugmotorenproduktion wird in dieser Statistik überdeutlich. Sie dokumentiert die Austrittsgründe der Lohnempfänger. Von den etwa 1.900 im ersten Halbjahr 1943 ausgetretenen „Gefolgschaftsmitgliedern” waren über 20% aus dem Unternehmen geflüchtet, weitere 20% von der Wehrmacht zum Kriegsdienst einberufen worden. Die Rückführung der Italiener schlug mit fast 10% zu Buche, weitere 15% schieden wegen Krankheit und Alter aus dem Unternehmen. Allein der Anteil dieser vier Gruppen machte etwa 65% aller Austritte aus. 2) 
_______________________________
1) Edgar Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher, Die Aufzeichnungen des Häftlings 24814, München 1997, S. 95.
2) Alle Angaben aus: KZGSD Archiv 24718, Das Arbeitslager Allach im Rüstungseinsatz 1943 -1944.
3) Grafik: Klaus Mai, München 2026.

nach oben