Namensprobleme

Die Namensgebung im Zuge der Verbrechensverfolgung zum KZ-Außenlagerkomplex Dachau-Allach in den Strafermittlungsakten verschiedener Behörden: 1)

Das KZ-Außenlager Dachau-Allach wurde in den mir vorgelegten Ermittlungsakten verwirrend oft unterschiedlich bezeichnet. Man könnte meinen, dass die ermittelnden Behörden kein Interesse daran hatten, den von der Firma BMW und dem NS-Regime verwendeten offiziellen Lagernamen zu verwenden. Hinzu kommt, dass der Unterschied zwischen Lager und Kommando den ermittelnden Beamten offenbar fremd war, in den Akten von möglichen Strafverfahren betroffene SS-Angehörigen falsch geschrieben, von ihnen ihre Adresse als unbekannt eingetragen oder als unauffindbar geführt wurden. Listen von SS-Tätern - z.B. Wachmannschaften - tauchten in den Akten gar nicht erst auf. Beigezogen wurden lediglich Spruchkammerakten von Beschuldigten, deren Verfahren nebst Verurteilung in sogenannten „Persilscheinverfahren“ bereits erledigt worden war. Die  „Beihilfe” zum Mord im Strafverfahren wurde „juristisch kunstvoll” vom Bundesgerichtshof „NS-freundlich” interpretiert, saßen doch dort und in der allgemeinen Justiz auch ehemalige SS-, SA- und NSDAP-Mitglieder über ihresgleichen zu „Gericht”. Als  „Tätergemeinschaft” war sie immer proaktiv im Sinne von Abwehr, Verschleierung, Verleugnung und Umdeutung der Vergangenheit. 2) Dies wird vor allem in den Ermittlungsakten in den Fällen deutlich, in denen es nach 20 bis 30 Jahren Ermittlungstätigkeit zu keiner Anklage kam oder Strafverfahren wegen ärztlich bestätigter „Verhandlungsunfähigkeit” gar nicht eröffnet oder wenn, dann eingestellt wurden. 

Ermittlungsbeamte der „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ in Ludwigsburg wurden im Zusammenhang mit ihren Ermittlungen zum KZ-Außenlagerkomplex Dachau-Allach für die Einleitung neuer eigener Vernehmungen von Länderstaatsanwaltschaften „gerügt“. Vermutlich befürchteten diese Behörden, dass neue Ermittlungsergebnisse NS-Täter erneut belasten oder neue Täter entdeckt würden. Es gab mehr als nur Indizien für eine Einflußnahme ehemaliger NSDAP-Mitglieder, NS-Staatsanwälte, NS-Richter und SS- und SA-Männer in die „Ermittlungsarbeit“ der Zentralstelle. 3) 

Das KZ-Außenlager Dachau-Allach lag im Münchner Stadtbezirk Ludwigsfeld. Es wurde in den Ermittlungsakten auch bezeichnet als:

  • SS-Arbeitslager
  • Arbeitslager SS-Allach
  • Nebenlager Allach
  • KZ-Außenlager Allach
  • KZ-Außenlager Dachau/Moosach
  • Arbeitslager Ludwigsfeld
  • KZ-Außenlager Feldmoching
  • Arbeitserziehungslager Moosach

Das OT-Lager Allach-Karlsfeld wurde in den Ermittlungsakten auch bezeichnet als:

  • OT-Lager Allach
  • OT-Lager Karlsfeld
  • Nebenlager Allach-Karlsfeld/Moosach
  • OT-Arbeitslager Karlsfeld
  • OT-Lager Allach-Karlsfeld
  • Nebenlager Karlsfeld
  • Allach OT-Bau
  • Außenkommando Allach-Karlsfeld
  • Arbeitskommando „Knoll“
  • Arbeitslager Karlsfeld
  • SS-Arbeits- und Krankenlager
  • Strafkommando „Dyckerhoff & Widmann“
  • Bunkerbaukommando Dyckerhoff

Eine in dieser Häufigkeit vorkommende unterschiedliche Namensnennung in den Strafermittlungsakten zum KZ-Außenlagerkomplex Dachau-Allach ist nicht erklär- und nachvollziehbar. Man könnte meinen, dass es sich hier um eine „Tatortverschleierung” handelt. 

Das BMW-Wohnlager Ludwigsfeld wurde auch bezeichnet als:

  • Wohnlager Ludwigsfeld
  • BMW-Wohnlager Ludwigsfeld
  • Lager Ludwigsfeld
  • Zwangsarbeiterlager Ludwigsfeld

Das BMW-Wohnlager Karlsfeld wurde auch bezeichnet als:

  • SS-Strafgefangenenlager
  • Zwangsarbeiterlager Karlsfeld
  • Wohnlager Karlsfeld

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1) Im 1990 erstmals von Martin Weinmann erschienenen Werk „Das nationalsozialistische Lagersystem” wird keine Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenlager bzw. Außenlager getroffen. Das KZ-Außenlager Dachau-Allach erscheint dort als Dachauer Kommando, obwohl es sich nach dem „Hauptlager Dachau” um das zweitgröße KZ Bayerns handelte. Vgl. Kommandos of CC Dachau, S. 554 ff. Tatsächlich handelte es sich bei dem KZ-Außenlager Dachau-Allach um einen Außenlagerkomplex mit einer Vielzahl von Nebenlagern (Kempten - Fa. Sachse, Trostberg, Stephanskirchen, etc.) in die die BMW-Flugmotorenproduktion ausgelagert wurde. Vgl. Zuliefererübersicht 1942/43 in: Constanze Werner, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW. S. 282 f. 
2) Nach der 2025 erschienenen Studie mit dem Titel von Verwandlung durch Recht - Frieder Günter und Eva Balz war auch das Bundesverfassungsgericht davon betroffen. Der höchste Anteil ehemaliger NSDAP- und SA-Mitglieder in beiden Senaten stieg bis 1965 auf 44% der Richter: „Insgesamt machte diese Personengruppe 29% der Richter aus, die zwischen 1951 und 1970 am Verfassungericht waren.”
3) Vgl. ebd.

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