
Nach der NS-Machtergreifung am 30. Januar 1933 versuchte das Reichsluftfahrtministerium (RLM) im Juni 1934 bei BMW eine großindustrielle Struktur zu indizieren, um die im Versailler Friedensvertrag ausformulierten „Luftrüstungsbeschränkungen” zu umgehen. „Die offiziell noch nicht existente Luftwaffe bestand [bis dahin] aus drei ‚Reklamestaffeln’ mit nur einer geringen Anzahl von zivilen Übungsmaschinen.” 1) Um mögliche Luftrüstungskapazitäten aufzubauen, erging 1934 an BMW der Auftrag, „zu prüfen, ob durch Verlegung des Automobilbaus von Eisenach nach München eine Dezentralisierung des Flugmotorenbaus zu erreichen ist.“ 2) Am 21. Dezember 1934 wurde rückwirkend zum 1. Januar die „BMW Flugmotorenbau GmbH”, in München mit einem Stammkapital von 7,5 Mio. RM gegründet. Damit wurde das gesamte Flugmotorengeschäft von BMW vom Automobil- und Motorradbau getrennt und ausgegliedert. Für die Werke in Eisenach und Berlin-Spandau wurde ein solcher Schritt ebenfalls vollzogen. Alle drei GmbH's wurden damit juristisch „Unterabteilungen” der BMW AG und zu 100 % in deren Eigentum.
Diese 100%ige Tochterfirma der BMW AG befand sich seit dem 16. Oktober 1936 auf dem Gelände westlich der Dachauer Straße. Als Reparaturwerk mit Montage- und Prüfständen diente es der Erprobung von Flugzeugmotoren. Vor allem Triebwerke der Baureihe BMW 132 K-N (seit 1933 in Lizenz gebauter luftgekühlter Neunzylinder-Sternmotor vom Typ „Hornet B“ der amerikanischen Firma Pratt und Whitney) wurden vom Werk Milbertshofen auf Tiefladern nach Allach gebracht, dort getestet und wieder zurückgekarrt. Diese Arbeit wurde bis Kriegsanfang 1939 von etwa 600 Mitarbeitern bewältigt. Ein Großteil dieser luftgekühlter Motoren war für die 1932 erstmals fliegende und später legendär gewordene Ju52 vorgesehen.
Mit Vertrag vom 15.10.1937 wurde die gesamte Fabrik an die Firma „BMW Flugmotorenfabrik Allach GmbH“ verpachtet, von den im Herbst 1939 Anteile in den Besitz der reichseigenen „Luftfahrtanlagen GmbH“ übergingen. Das Werk Allach, das sich zu diesem Zeitpunkt im Ausbau befand, war am 7. November 1941 von der „BMW Flugmotorenbau Gesellschaft mbH“ für 30 Mio. Mark zurückerworben worden. Diese für damalige Verhältnisse gewaltige Summe wurde BMW von der Bank der Deutschen Luftfahrt AG als Kredit 1941 vorgestreckt und von BMW im Februar 1945 zurückgezahlt. 3)
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1) Wilhelm Deist, Manfred Messerschmidt, Hans-Erich Volkmann, Wolfram Wette: Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979 (Nachdruck 1991), 764 S., ISBN 978-3-421-01934-9. Inhalte: Ideologien, Propaganda und Innenpolitik als Voraussetzungen. Die NS-Wirtschaft in Vorbereitung des Krieges. Die Aufrüstung der Wehrmacht. Außenpolitik und Kriegsvorbereitung, Band 1, S. 401. f.
2) Vgl.: Projektierungsaufgabe für den Flugmotorenbau der BMW vom 28.8.1934 in: BArch-MA RH 8 I/942. Die BMW-Flugmotoren GmbH München war am 21. Dezember 1934 rückwirkend zum 1. Januar 1934 mit einem Stammkapital von 7,5 Mio. Reichsmark gegründet worden. Vgl. „Werner Bericht” in: BArch R3 / 1752, Blatt 8 ff. Das bedeutet auch, dass BMW bereits zu Beginn der NS-Herrschaft Bestandteil der rüstungspolitischen Pläne war.
3) Mönnich, Horst, BMW - Eine deutsche Geschichte, Piper-Verlag, München 1991, S. 439 ff.