
„Aus kriegswichtigen hier nicht näher zu erörternden Gründen, hat der Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei am 14. Dezember 1942 befohlen, dass bis Ende Januar 1943 mindestens 35.000 arbeitsfähige Häftlinge in die Konzentrationslager einzuweisen sind. Um diese Zahl zu erreichen, ist folgendes erforderlich: (...) Ab sofort (...) werden Ost- oder solche fremdländischen Völker, welche flüchtig gegangen oder vertragsbrüchig geworden sind und nicht den verbündeten oder befreundeten Staaten angehören (...) auf dem schnellsten Wege in die Konzentrationslager eingeliefert. Dritten Dienststellen muß gegebenenfalls jede einzelne dieser Maßnahme als unerläßliche sicherheitspolizeiliche Maßnahme unter entsprechender sachlicher Begründung aus dem Einzelfall heraus dargestellt werden, so daß Beschwerden vermieden, jedenfalls aber ausgeräumt werden.“ 1) Ab Dezember 1942 wurden zunehmend Fremdarbeiter aus den jeweils besetzten Gebieten in Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzungstruppen, SS, der Wehrmacht, Gestapo und der SiPo von den Bahnhöfen direkt in die deutschen Konzentrationslager überstellt. Ihr Transport in das „Reich“ erfolgte mit der Deutschen Reichsbahn. Ost- oder fremdvölkische Arbeiter, die vertragsbrüchig wurden und in der Rüstungsindustrie arbeiteten - hierzu zählte z.B. mehrmaliges Zuspätkommen oder Flucht - wurden häufig mit Arbeitslager oder/und KZ-Haft bestraft. Bereits die Einforderung nach Einlösung bei der Anwerbung vertraglich gegebener Versprechen wurde vom NS-Regime als Sabotage gewertet. 2) Ende 1944 arbeiteten über 25.000 Fremd- und Zwangsarbeiter sowie etwa 5.800 KZ-Häftlinge bei BMW München in den Werken in Milbertshofen und Allach. 4) Etwa 400 Fremdarbeiter waren außerhalb der Lager in „Zivilunterküften“ untergebracht. In den BMW-Wohnlagern Karls- und Ludwigsfeld lebten zeitweise insbesondere nach den schweren Bombenangriffen auf München im Sommer 1944 bis zu 6.000 Personen, davon bis zu 2.000 in Ludwigsfeld. Inmitten des BMW-Wohnlagers Karlsfeld: Das „SS-Straflager Allach”, mit Doppelzaun gesichert - einfacher und elektrisch geladener Umzäunung - das mit über 1.000 Häftlingen belegt war. Beide Lager galten als „vorbildlich” ausgestattet: Zentralheizung, fließen Kalt- und Warmwasser und Sportanlagen.
Zentrale für den jüdischen Häftlingseinsatz in der Rüstungsindustrie wurde ab dem Frühjahr 1942 das KZ-Auschwitz, aus dem ab Mitte 1944 jüdische männliche Häftlinge und ab Sommer 1944 jüdische weibliche Häftlinge als Zwangsarbeiter über das O.T.-Lager Rothschwaige in das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld überstellt wurden. 5)
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1) Geheimbefehl des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD an alle Befehlshaber vom 17.12.1942. Zitiert nach Marc Buggeln, Das System der KZ-Außenlager, S. 38.
2) Vgl. ebd. S. 37.
3) Vgl. ebd. Schreiben des SS WVHA, Amtsgruppe D (Liebehenschel), an die KZ-Kommandanten vom 26.3.1943.
4) Vgl. BMW group Archiv, UA 220. Im Herbst 1943 wurden in den BMW-eigenen Lagern 3.000 zusätzliche Betten für Fremdarbeiter geschaffen. Grund dafür waren die in München durch Luftangriffe beschädigten städtischen „Sammellager”. Werksintern galten bis dahin die BMW-Wohnlager Karls- und Ludwigsfeld als Musterlager für die Unterbringung der Fremdarbeiter, da sie mit Zentralheizung, fließend Kalt- und Warmwasser ausgestattet waren und zum Teil über Sportstätten wie Fußballplatz, Aschenbahn, Kino und andere Gemeinschaftseinrichtungen verfügten.
5) ITS 1.1.6.1\0001-0189\0141\0064. Vgl dazu auch die Transportliste in: ITS 1.1.6.1\0001.0189\0141\0028 ff.