Strafkommando
Unfertiger aber teilweise in Betrieb genommener BMW-Hallenbunker am 7. Mai 1945, davor Fundament und Stützpfeilerarmierung der sich im Bau befindlichen Halle 22. Hinter der Bunkerbaustelle das Heizkraftwerk 2 auf dem BMW-Gelände

Die größte Baustelle des BMW-Flugmotorenwerks war ab dem Frühjahr 1944 die „BMW-Bunkerhalle“ mit einer geplanten Grundfläche von ca. 32.000 qm. Die seit März 1943 zunehmenden Luftangriffe auf München drohten die kriegswichtige Flugmotorenproduktion lahmzulegen. Der Bunker war für die Elektrongießerei und den Zusammenbau der Motoren vorgesehen. Züge und BMW-Bunkerhalle Nachkreisgsaufnahme 1946LKWs sollten direkt in den Bunker zum Be- und Entladen einfahren können, die bis zu zwei Meter dicken Außenwände und drei Meter dicken Stahlbetondecken gegen die zunehmenden alliierten Bombardements schützen. Für den Bau mussten riesige Mengen an Stahl, Kies und Zement herangekarrt werden. Für den Betonkies war von den KZ-Häftlingen ein eigener Gleisanschluss von der umliegenden Kiesentnahmestelle „Moll-See“ (Karlsfelder See) an die Baustelle verlegt worden. Am 18. April 1944 einigten sich SS, BMW und O.T. mit dem „Jägerstab“ und dem Speer-Ministerium über die endgültige Bauausführung und -leitung. In Zusammenarbeit mit BMW und ohne die O.T. hatte die SS die Oberbauleitung übertragen bekommen. Der Codename für den Bunker lautete „Walnuß“. Ein KZ-Häftling berichtete: Wir „mussten Luftschutzbunker für Zweigbetriebe der Bayerischen Motorenwerke bauen. In meiner Gruppe haben ungefähr 100 Häftlinge gearbeitet. Wir mussten Zement für den Bau der Bunker herbeischleppen. In der Organisation Todt arbeiteten auch Leute aus westeuropäischen Ländern. Das Essen war ungenügend und die Häftlinge infolgedessen unterernährt.“ 1) Dieses Strafkommando galt unter den Häftlingen als „Todeskommando” und wurde von den Häftlingen auch als „Dyckerhoff-Kommando“ bezeichnet. In einem Bericht vom Kiesverladestation am "Moll-See" in Karlsfeld 19444. Mai 1945, den drei befreite Häftlinge verfassten, wurde die Situation auf der BMW-Bunkerbaustelle im Winter 1943/44 so geschildert: „Im Kommando Sager u. Woerner wurden die Mäntel am gleichen Tage (...) weggenommen. Dieses Kommando arbeitete in den Bayer. Motoren Werken beim Bunkerbau in Tag- und Nachtschichten. Die Häftlinge mussten Zement, Eisen und Holz zum Bunkerbau aus den Waggons ausladen u. auf den Schultern oft 2 u. 3 Stockwerk hoch hinaufschleppen; Arbeitszeit: 12 Stunden. Kommandoführer war Oberscharführer Jentsch. Dieser schikanierte die Häftlinge auf die grausamste Weise. Z.B. beim Ausmarschieren mussten fünf [Häftlinge] Arm in Arm im Laufschritt gehen, ließ einer los, wurde er von dem eigens darauf dressierten Hund ‚Nero‘ angefallen u. gebissen und zugleich von Jentsch geschlagen, so dass der größere Teil des Kommandos zu Grunde ging. In einer Woche sind 58 Häftlinge den Verletzungen und Schlägen erlegen. Von dem wenigen [Essen] stahl Jentsch noch das Hundefressen weg, welches vom Tier oft wegen seiner Minderwertigkeit verschmäht wurde. Helfershelfer des Jentsch waren bei seiner grausamen Tätigkeit Capo Kotz, Hilfscapo Stephan Akzel, Vorarbeiter Sesnowsky und Wiener. Sie alle schlugen u. peinigten die Leute auf das Scheußlichste.“ Dies wird auch von Moshe Kaufmann bestätigt. „Das ganze Lager schlief noch, als sie zur Arbeit gingen und das Lager ruhte schon lange, als dieses Kommando zurückkam. (...) Es war aber eine große Sterblichkeit - schwere Arbeit, Hunger, Schwäche, Krankheiten. (...) Häftlinge starben, bevor sie ins [Kranken-] Revier kamen.“ 3)

Der BMW-Hallenbunker gehörte mit zu den am höchsten priorisierten Projekten des NS-Regimes. 4) 
_______________________________

1)
2) 
3) Moshe Kaufmann, 
4)

nach oben