Erste Überlegungen, KZ-Frauenhäftlinge bei BMW-Allach in der Flugmotorenproduktion einzusetzen, sind im Juni 1944 erkennbar. Im Monatsbericht T3-Triebwerke für den Juni 1944 hatte BMW-Allach an das RLM festgestellt: „Erhebliche Schwierigkeiten bei dem für das letzte Quartal 44 vorgesehenen Abzug der bei T3 eingesetzten 4.600 Jungtschechen zu erwarten. Durch Zuweisung von 2.500 KZ-Frauen soll ein Teil der Tschechen ersetzt werden, während Ablösung der z.Zt. im Werk Allach beschäftigten Tschechen durch KL-Häftlinge erfolgen soll. Voraussetzung ist die Zuweisung der Ersatzkräfte zu einem Zeitpunkt, welcher ausreichende Anlernzeit gewährleistet." 1)
Einen weiteren Hinweis auf ein von BMW zu errichtendes Frauenkonzentrationslager im Münchner Norden betraf das Sammellager X an der Leopoldstraße. In einem Bericht „über Fliegerschäden und deren Behebung in sämtlichen Wohnlagern Werk I“ [Milbertshofen] vom 1. Juli 1944 2) wird auf Planungen verwiesen, dass der Abschnitt B des „Wohnlagers Leopoldstraße“ zu einem Frauenkonzentrationslagers umgebaut werden sollte. 3) Ob Planungen zum Umbau eines Teils des KZ-Außenlagers Dachau-Allach bis Januar 1945 zu einem ‚Frauenkonzentrationslager‘ zu diesem Zeitpunkt bereits existierten, ist unbekannt. 4) Ein erster Frauentransport nach Dachau-Allach ist am 16. November 1944 dokumentiert. 5) Im Zugangsbuch von Dachau wurden am 18. November 461 Frauen, darunter 56 Kinder registriert. Die 56 Kinder sind dabei ausdrücklich nach den Zigeunerinnen erwähnt. 6) Die Frauen und ihre 56 Kinder stammten aus Ungarn, Serbien, Slowenien, Kroatien, Jugoslawien, der Slowakei und Russland. Darunter befanden sich 70 „Zigeunerinnen“ und 98 Jüdinnen. Ein Arbeitseinsatz dieses Transportes bei BMW erfolgte nicht. Dafür war ihr Lageraufenthalt von 24 Tagen zu kurz. Eine Transportübersicht weist als Datum ihres Weitertransports in das KZ-Bergen-Belsen den 23.11.1944 aus. 7) Eine Berichtsmeldung der Dachauer Lagerkommandantur vom 24.11.1944 zeigt die Veränderung in der Zusammensetzung des Transportes an: Aus 70 Zigeunerinnen wurden 126 und aus 98 Jüdinnen 102. 8) Hier wurden offenbar Fehler bei der „Erfassung“ oder Falschangaben der Frauen korrigiert. Die Anzahl der Frauen wie auch der Kinder des Transportes blieb gleich. Danach wurden 461 Häftlingsfrauen am 24. November 1944 in das KZ-Bergen-Belsen überstellt - davon 405 Frauen und 56 Kinder. 9)
Ein weiterer Transport mit 1.045 Frauen kam am 19. November 1944 im Dachauer Lager an. Er setzte sich aus 675 Jüdinnen und 370 Zigeunerinnen zusammen. 10) Nach Häftlingsaussagen hausten auch diese Allacher Frauen im Quarantänebereich des SS-Arbeitslagers. Das Quarantänelager bestand aus vier Steinbaracken und lag zwischen dem SS-Arbeitslager und dem O.T.-Lager. Der Quarantänebereich war durch Maschendrahtzaun von den übrigen Lagern getrennt. 11) Die Frauen schliefen darin in Papierschlafsäcken auf einem mit Stroh ausgelegten Betonboden. Alle Frauen trugen Zivilkleidung. 9 Tage später, am 29. November 1944, wurden die 1.049 Frauen geteilt und 500 von Allach in das KZ-Ravensbrück überstellt, die übrigen nach Kaufering weiter transportiert. 12) Von einem „Zigeunerlager“ innerhalb des Außenlagerkomplexes Dachau-Allach kann indes nicht gesprochen werden. 13) In den vier Baracken des Quarantänelagers belegten sie nur einen Teil.
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1) BArch R3/3058 IWM, Monatsbericht Triebwerke T-3 Juni 1944, Blatt 3.
2) Vgl. BMW group archiv, BMW-UA
3) Vgl. ebd., Protokoll vom Juli 1944. Der von Gayot nach Angaben von Thoma angefertigte Lagerplan weist erst ab Januar 1945 ein „Frauenlager” innerhalb des O.T.-Lagers Allach-Karlsfeld aus.
4) ITS 1.1.6.0\0006\203\0283. Die 56 Kinder werden im Zugangsbuch lediglich als "Von Nr. 128683 bis Nr. 128738" erwähnt.
5) Ankunft von 461 Frauen in Dachau am 16. November. ITS 1.1.6.0\0006\203\0286.
6) Ankunft von 1045 Frauen in Dachau am 19. November. ITS 1.1.6.0\0006\203\0283.
7) ITS 1.1.6.0\0006\203\0283.
8) ITS 1.1.6.0\0006\203\0279.
9) Meldung aus Bergen Belsen
10) Ankunft von 1045 Frauen in Dachau am 19. November. ITS 1.1.6.0\0006\203\0283.
11) Vgl. dazu auch die Meldung in: ITS 1.1.6.0\0006\203\0286.
12) Vgl. Bericht von Maria Tuskay.
13) Zdenek Zofka spricht in seinem Aufsatz von einem "Frauen- und Zigeunerlager". Richtiger wäre es, hier von einem „vorübergehenden Aufenthalt” im Quarantänelager des SS-Arbeitslagers zu sprechen.
