Josef Jarolin, Lagerkommandant des KZ-Außenlagerkomplexes Dachau-Allach (SS-Arbeitslager, O.T.-Lager Allach-Karlsfeld und O.T.-Lager Rothschwaige) Zeit: Von 15.3.1943 bis 29.4.1945, ab Juli 1944 der O.T.-Lager Allach-Karlsfeld und Rothschwaige, zum Tode verurteilt im 1. Dachauer Prozess, hingerichtet in Landsberg. (USA v. Martin Gottfried Weiss et al). Martin Weiss
„Ich war am 4.5.1945 im Geitkau b. Harzerszelle Zeuge eines Gespräches, wonach die Wertsachen der Dachauer Häftlinge Uhren und Goldwaren im Werte von über 5 Mill, Goldmark beim Rückzug im Gebirge vergraben wurden und möchte dies noch zu Meldung bringen. Ein Teil der Wertsachen wurde zwischen Tegernsee und Schliersee, der andere Teil bei Zell am See in Tirol vergraben. Bei der Vergrabung des Teiles bei Tegernsee war Hauptscharf. Schimpf 1) von der damaligen Kdtr. K.L. Dachau zugegen. Den Teil bei Zell am See hatte der Adjutant Oberstuf. Otto 2) oder der Verwaltungsführer Hauptstuf. ? übernommen.
Ich habe während meiner Tätigkeit im K.L. Dachau und Arbeitslager Allach keinen Häftling umgebracht, mußte jedoch auf Befehl meiner Vorgesetzten einigen Exekutionen von zum Tode verurteilten als Zeuge beiwohnen.
Für die Gesundheit der Häftlinge habe ich dadurch viel getan, daß ich im Arbeitslager Allach ein Krankenrevier für 200 Mann und ein Schwimmbad 3) für Häftlinge bauen ließ. An dem Tod tausender Häftlinge sind die Großen Schuld, die Befehle gaben, zum Teil sämtliche kranken Häftlinge von anderen Lagern nach Dachau zu überstellen, wobei bereits 10 % Tote mit ankamen und von den übrigen Unterernährten täglich 30 im Lager starben. Wir Kleinen waren dabei nur Arbeitstiere und sorgten Tag und Nacht für die Entlausung und Unterbringung der ankommenden Invaliden, sonst wären noch viel mehr gestorben.
Es ist verständlich, daß die Entlassenen Häftlinge jetzt in Wut auf mich losgehen, wenn sonst niemand hier ist. Ich gebe auch zu, manchmal im Ärger einen durch Tritt ins Gesäß mißhandelt zu haben. Die übrigen Strafen waren vom Kommandanten auf Grund eines schriftlichen Strafbefehls befohlen.
Ich bitte vor ein Gericht gebracht zu werden, damit ich mich verteidigen kann.“ 4)
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1) Friedrich Schimpf, SS-Hauptscharführer. Nicht ermittelt.
2) Wolfgang Günther Klaus Otto, * 23.8.1911 in Kattowitz; † 26.11.1989 in Geldern, SS-Obersturmführer.
3) Bei dem fraglichen Schwimmbad handelte es sich um einen Feuerlöschteich innerhalb des Außenlagers an Stelle der Baracke 17, die dazu teilweise abgetragen bzw. verkleinert wurde.
4) Josef Jarolin, KZGSD, Archiv 32820, Aussage vom 26.6.1945.
Foto: Josef Jarolin während des 1. Dachauer Prozesses von 15.11. bis 13.12.1945.
„Ich will zur Herbeischaffung der gemeldeten Tatsachen alles tun und gebe hierzu noch den Verwalter dieser Wertsachen SS-Hauptscharführer Sperr Alois 1) an, der an der Bahnsiedlung zwischen Pfaffenhofen und Ingolstadt wohnt oder sich in einem Gefangenlager in Heilbronn befindet. Außer dem Unterstuf. Filloböck 2), letzte Wohnung Dachau-Lager, Eickeplatz oder Heilbronn. Andernfalls schlage ich meine Überführung in die Gefangenen-Lager Heilbronn und Mannheim vor, von wo ich innerhalb kurzer Zeit die nötigen Unterlagen und Personen bringen kann.
Kraftfahrer und Pferd-Gespannführer vom K.L., die beim Rückzug diese Wertsachen gefahren haben, müssen über die Aufbewahrungsorte Bescheid wissen. Ich kenne diese Fahrer vom K.L. wohl vom sehen, weiß aber nicht den Namen derselben. Die Fahrer sind sicher in Gefangenenlagern zu finden. Der berüchtigte Menschenschinder Hauptstuf. Hofmann Franz 3) wird sehr wahrscheinlich mit seiner Familie bei seinen Schwiegereltern in einem Dorf 3 Km. nord-östlich Eichstätt wohnen. Sein Schwiegervater hat dort ein Spenglergeschäft. Den Namen des Dorfes weiss ich nicht mehr, es kann sein daß es Fürstenberg oder Dollnstein heisst.
Oberstuf. Ruppert 4) sagte vor Kriegsschluß zu mir, er würde vorerst zu seinen Verwandten nach Penzberg fahren. Seither weiß ich nichts mehr von Ruppert.
Verantwortlich für Tausende von toten Häftlingen ist der Lagerkommandant von Buchenwald, weil er beim Rückzug seine Häftlinge ohne Verpflegung in die Bahn oder auf den Marsch nach Dachau setzte. Er, Oberführer Pfister 5), fuhr mit seinem Stab nach Dachau voraus und kümmerte sich nicht mehr um seinen Plan für die weitere Verschickung der Häftlinge nach Tirol, trotzdem er sehen mußte, daß der Krieg schon verloren war. Oberführer Pfister soll bereits in einem Gefangenenlager erkannt worden sein. Der letzte Lagerkdt. vom K.L. Dachau Sturmbannführer Hintermayer 6) wohnt in Kirchseeon auf der Strecke München - Wasserburg.
Weitere Führer und Männer von Konz. Lagern könnte ich nur namentlich angeben und weiß nicht wo sie sich zur Zeit aufhalten. Ich werde beschuldigt Im K.Z. Dachau als Rapportführer und dritter Schutzhaftlagerführer Häftlinge mißhandelt zu haben, wodurch ich den Tod mehrerer Häftlinge verursacht haben soll.
Dazu muss ich folgendes sagen. In den Konzentrationslagern gab es zwei Gruppen von Häftlingen. Auf der einen Seite die Vernünftigen und Anständigen, für die ich mich jederzeit fürsorglich eingesetzt habe. Auf der anderen Seite ein kleiner Teil unverbesserlicher Leute, die jede Woche etwas anderes anstellten. Es waren dies meist Russen, die Kameradendiebstähle verübten oder Einbruchdiebstähle in die Küche oder Kantine ausübten, oder auch deutsche Häftlinge, die als Capos zum Schaden anderer Häftlinge die Essensportionen kürzten und die Lebenmittel an Zivilisten gegen Alkohol vertauschten.
Da die letztgenannten dafür harte Lagerstrafen bekamen, spielen sie jetzt die mißhandelten und gemarterten Helden, ohne davon zu reden, was der Betreffende im Lager selbst verbrochen hat. Sie werfen mir jetzt vor, es seien durch diese Strafen viele Häftlinge im Lager gestorben.
Die Gefahr, daß ein Mensch stirbt, besteht aber nicht nach Beendigung, sondern während der Dauer der Strafe dadurch, daß bei Prügelstrafen das Herz aussetzt, oder bei dem früheren Anbinden an Bäume die Blutzufuhr zum Kopf unterbunden wird und eine Blutleere im Gehirn eintritt. Daher mußte auch immer ein Arzt zugegen sein. Diese Strafen waren vom Lagerkommandanten und den höheren Dienststellen befohlen. Ich gebe zu, bei schweren Fällen das Strafmaß manchmal überschritten zu haben, wenn der Beteffende ständig leugnete.
Sobald mir die einzelnen Beschuldigungen bekannt gegeben werden, werde ich dazu genau Stellung nehmen. Die Beschuldigung, die Häftlinge mußten so lange beim Zählappell stehen, bis sie starben, trifft nicht zu, weil der Zählappell höchstens 15 - 20 Minuten dauerte und die kranken Häftlinge gar nicht aufmarschierten, sondern vor dem Block, oder im Bett gezählt wurden.
Es ist jedoch zutreffend, daß Blockälteste Häftlinge manchmal Kranke zum Zählappell mitschleppten, damit sie ihren Stand im Rapport nicht mehr ändern brauchten. Es mußte da wiederholt eingeschritten werden. Das übrige lange Stehenlassen der Häftlinge vor dem Dienstgebäude für irgendeine Dienststelle war damals ein übler Brauch und wurde 1942 vom Kommandanten verboten. Verantwortlich dafür war der erste Schutzhaftlagerführer Sturmbannführer Zill. 5)
Daß ich straffällige Häftlinge in einzelnen Fällen ins Gesäß getreten habe, trifft zu, aber keine Kranken beim Gesundheitsappell. Es gab auch solche, die jeden Tag beim Gesundheitsappell erschienen ohne krank zu sein, um sich von der Arbeit zu drücken. Letztere wurden jeden Tag vom Arzt zurückgeschickt.
Wenn ich Häftlinge beim Pfahlbinden hin und her geschaukelt habe, so gehört dies zur Überprüfung der Muskelkraft des Bestraften, um festzustellen, ob er die Strafe auch aushält. Die Bestraften haben sich durch Hochziehen der Knie ja selbst schaukeln lassen. Viel wichtiger war die Einhaltung der Vorschrift, wonach der Bestrafte mit den Zehenspitzen den Boden berührer mußte. Hielt ein Gefangener die Strafe nicht aus, so mußte er rechtzeitig runtergenommen und zur Anregung des Blutkreislaufes mit Wasser begossen werden. Letzteres ist nicht aus Schikanen oder zur Mißhandlung geschehen.
Am 1. März 1943 wurde ich nach Allach kommandiert, übernahm dort ein halbfertiges B.M.W. Lager und 1.500 Häftlinge von den Lagern Buchenwald und Natzweiler die beim B.M.W. in die Rüstung eingesetzt werden mußten und später auf 5.000 erhöht wurden. Trotz großen Materialmangel ist mir mit Hilfe von B.M.W. gelungen innerhalb kurzer Zeit eine Küche, ein neues Revier und sogar ein neues Schwimmbad für Häftlinge zu bauen. 6)
Das Lager hat die erste Zeit den niedrigsten Krankenstand gegenüber Dachau und anderen Außenlagern. Erst als ich im März und April d.J. zusätzliche mehrere Krankentransporte von anderen Lagern aufnehmen mußte, hat sich das Bild geändert. In Bezug auf Lagerstrafen waren es mehrere Häftlinge, besonders deutsche Capos, die dadurch straffällig wurden, daß sie zum Schaden ihrer Kameraden Lebensmittel, für Häftlinge bestimmte Rauchwaren, Schuhe u.s.w. an die im Werk arbeitenden Zivilisten gegen Alkohol verschoben. Der Lagerkommandant von Dachau mußte deshalb des öfteren Prügelstrafen verhängen.
In den letzten Monaten wurde die Prügelstrafe ganz abgeschafft und die Straffälligen bekamen dafür 12 Stunden Stehbunker. 7)
Mehrere Häftlinge mußten auch wegen Sabotage an Maschinen bestraft werden. Dabei kam es trotz wiederholter Mahnung in sechs schweren Fällen zur Todesstrafe, die von der Dienststelle in Berlin ausgesprochen wurden. Ich hatte darauf keinen Einfluß, weil die Meldungen vom Werk direkt nach Berlin gerichtet waren. Die Exekutionen nahm ein Kommando aus Dachau vor. Gerade diese Häftlinge, die in Allach zum Schaden ihrer Kameraden Lebensmittel, Kleidung und Rauchwaren an Zivilisten verschoben haben, sind jetzt die größten Schreier und wollen mir einen Mord an Häftlingen nachweisen.“ 8)
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1) Friedrich Schimpf, SS-Hauptscharführer. Nicht ermittelt.
2) Wolfgang Günther Klaus Otto, * 23.8.1911 in Kattowitz; † 26.11.1989 in Geldern, SS-Obersturmführer.
3) Bei dem fraglichen Schwimmbad handelte es sich um einen Feuerlöschteich innerhalb des Außenlagers an Stelle der Baracke 17, die da-
zu teilweise abgetragen und verkleinert wurde.
4) Vgl. dazu: Josef Jarolin, KZGSD, Archiv 32820, Aussage vom 26.6.1945.
5) Egon Gustav Adolf Zill, * 28.3.1906 in Plauen; † 23.10.1974, Bäcker, SS-Sturmbannführer, Kommandant verschiedener Konzentrationslager.
6) Der Bau des „neuen Krankenreviers“ und des „Schwimmbades“ . Das Dachauer Revier konnte die große Anzahl von Leichtkranken ab Herbst 1943 nicht mehr aufnehmen. Das „Schwimmbad“ war ein Löschteich, um schnell mögliche Brände bei Luftangriffen bekämpfen zu können.
7) Die „Stehbunker“ in Allach maßen 55 x 55 cm. Dazu wurden die Zellen innerhalb des Bunkers umgebaut.
8) Josef Jarolin, KZGSD, Archiv 32820, Aussage vom 11.7.1945.
„Mein politischer Lebenslauf:
Mit 18 Jahren trat ich in die damalige Landespolizei München ein und machte im November 1923 die Kämpfe gegen den Hitlerputsch mit. 1931 mußte ich wegen Krankheit aus der Polizei ausscheiden und war 4 Jahre arbeitslos. Vor der Machtübernahme hielt ich mich von der Partei vollkommen frei. Da ich 2 Jahre nach der Machtübernahme immer noch keine Arbeit hatte, entschloß ich mich am 6. März in die Waffen-SS einzutreten, ohne zu wissen, was die SS für politische Zwecke verfolgte. Bei der Wachtruppe Brandenburg war ich in Berlin zur Gebäudebewachung eingesetzt. Als ich 1938 zum Aufbau des Konzentrationslagers Oranienburg in das Lager als Blockführer kommandiert wurde, reichte ich 2 mal mein Entlassungsgesuch aus der Waffen-SS ein. Ich wurde hierauf jedoch nicht entlassen, sondern zum K.L. nach Dachau versetzt. Ich habe mich auch bei der Waffen-SS nicht um politische Dinge gekümmert, sondern nur als Soldat gefühlt.
Die Häftlinge habe ich nicht nach politischer, sondern nach krimineller Art eingeschätzt. Die Rassezugehörigkkeit oder Konfession eines Menschen ist mir vollkommen gleich.
Ich habe bei dem Hungermarsch der Häftlinge von Dachau zum Gebirge am 30.4.1945 dazu beigetragen, daß tausende Häftlinge vor dem Hungertode gerettet wurden. Obwohl ich selbst mit dem Marsch nichts zu tun hatte fuhr ich am 29.4.1945 nach Wolfratshausen und stellte fest, daß die dort in einem Walde lagernden 10.000 Häftlinge durch die Strapazen des Marsches und die schlechte Verpflegung in einem Zustande waren, der ein weitermarschieren auf das Gebirge zu, für einen grossen Teil unmöglich machte. Als ich den für den Marsch verantwortlichen Sturmbannführer Degelow in seinem Quartier in Königsdorf auf diese Zustände aufmerksam machte, erklärte Degelow, er habe Befehl bis ins Ötztal zu marschieren und könnte deshalb nicht anders handeln.
Ich stellte fest, daß nur noch für 2 Tage Marschverpflegung in Königsdorf lagerte und eine weitere Verpflegung von Garmisch wegen Strassensperre nicht mehr heranzuholen war. Nun redete ich solange auf Degelow ein und machte ihm klar, daß die Häftlinge auch im Gebirge dem Hungertod preisgegeben wären, bis er sich entschloß am 1. Mai 1945 abends etwa 8.000 Häftlingen der amerikanischen Armee zu überlassen, wobei die deutschen Militärbehörden behilflich waren.
Die Häftlinge waren so froh und dankbar, daß die vor der Übergabe den deutschen Wachmannschaften die Hände küssten. Die restlichen 2.000 Häftlinge übergab Degelow später bei Tölz. Wäre er mit den gesamten Häftlingen in Richtung Tölz-Tegernsee weitermarschiert, so hätte ein Hunger- und Schwächezustand tausende von Häftlingen das Leben gekostet. Ich bitte durch die Einvernahme von Degelow Vorstehendes bestätigen zu lassen und in meiner Strafsache berücksichtigen zu wollen. Josef Jarolin“ 1)
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1) Josef Jarolin, KZGSD Archiv 32820, Aussage vom 11.7.1945.
Anmerkung: Jarolin räumt in seiner Aussage in der Schlussphase des Krieges in Dachau-Allach eine Todesrate von 30 Toten pro Tag ein. Er gibt weiter an, dass bereits 10 % der Häftlinge bei ihrer Ankunft am Bahnhof Karlsfeld im Lager Tot waren. Nach den vorliegenden Zahlen wurden im Monat März 1945 offiziell nur 20 Tote aus dem KZ-Außen- und O.T.-Lager in das KZ Dachau gebracht. Andererseits schreibt Jarolin selbst vom Tod tausender Häftlinge: „An dem Tod tausender Häftlinge sind die Großen Schuld, die Befehle gaben (...)“.
Die von Riviere genannte Lagerbelegung von etwa 14.000 Häftlingen Ende April im KZ-Außenlager, dürfte weitgehend der Realität entsprochen haben. Für die letzten Kriegstage sind nur wenige Aufzeichnungen vorhanden. Häftlingsberichten zufolge wurden in der Endphase des Krieges die Toten auf Haufen gestapelt und auf dem Außenlagergelände in Massengräbern beerdigt.
Am 30. Oktober 1945 gab der ehemalige Lagerkommandant des KZ Außenlagers Allach, des O.T.-Lagers Allach-Karlsfeld und des O.T.-Lages Rothschwaige handgeschrieben auf 12 Seiten gegenüber den US-Militärbehörden folgende Erklärung ab:
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„Ich heisse Jarolin Josef, bin geboren am 6.3.04 in Rehpoint, wohnhaft in München, Belgradstraße 14/I. St. Ich mache die folgenden Angaben: Vom 1. September 1938 bis 1. März 1943 war ich in Dachau KZ stationiert. Als ich von Oranienburg versetzt in Dachau ankam, war ich Oberscharführer. Vom Mai 1941 bis Dezember 1941 habe ich Häftlinge in Dachau vernommen. Bei diesen Vernehmungen habe ich zur Feststellung von insbesonders auf Befehl des Lagerkommandanten und des 1. Schutzhaftlagerführeres, Hauptsturmfürer Zill 1) etwa 150 Häftlinge, meist Berufsverbrecher, an den Stuhl gebunden und mit dem Ochsenziemer geschlagen.
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In den Monaten Juli, August und September 1941 wurden auf dem Schießplatz Dachau etwa 2.400 russische Partisanen von der Polizei einkaserniert und davon 2/3 von den Angehörigen der Ktr. [Kommandantur] Dachau erschossen. Der Befehl hierzu kam von Berlin. Die übrigen wurden zur Arbeit ausgesucht. Von diesen Partisanen waren die meisten russisch. Die Gefangenen wurden dann auf Befehl gezwungen sich zu entkleiden und wurden meist erschossen. Die Entkleidung fand auf der rechten Seite dieses Platzes statt und die Erschießung zu je drei Mann auf der linken Seite des Platzes. Sie wurden mit einem Exekutionskommando von 15 Mann erschossen. Die Partisanen kamen in Stärke von 100 bis 200 Mann an, wovon während des Tages jeweils 2/3, also bis zu 150 Mann erschossen wurden. Die Transporte kamen etwa 2x in der Woche an. Der 1. Schutzhaftlagerführer Hauptsturmführer Zill sagte zu mir, daß diesen Partisanen die hinter der Front kämpften und gegen das Kriegsrecht verstoßen haben und
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deshalb auch hier in Dachau genau so wie hinter der Front erschossen werden müssen. Die Exekutionen fanden nicht zum Juni statt, sondern waren auf die Monate Juli, August und September verteilt, wobei in diesen 3 Monaten etwa 15 - 1700 Mann erschossen wurden. Für jede Exekution wurden vom Kdr. Stab K.Z. Dachau etwa 40 Mann eingeteilt und zum Schießplatz [Hebertshausen] gefahren. Insgesamt waren etwa 90% der gesamten Kdr. Stabes an den Erschießungen beteiligt. Die Erschießungen dauerten etwa 1 1/2 bis 2 Stunden. Ich als Hauptsturmführer gab mit den 15 Männern das Kdo. Feuer und zwar bei etwa 700 Mann, die erschossen wurden. Nach dem Kdo. Feuer ging ich ganz nah zu den Erschossenen hin und gab bei etwa 30 - 40 Mann insgesamt Gnadenschüsse. Dann wurden von dem Leiter der Erschießungen, Hauptsturmführer Zill oder Oberscharführer Hofmann, 2) Oberscharführer, zur Abgabe der Genickschüsse eingeteilt. Es waren dies meistens Kutterfeind 3) und Kiem. 4)
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Durch die Genickschüsse sollten die noch Lebenden möglichst schnell getötet werden. Ich selbst gab, wie bereits angegeben, bei etwa 700 Mann das Kommando Feuer. Für viele Angehörige des Kdr. Stabes waren diese Erschießungen eine große seelische Belastung. Auch ich hatte nachts hievon Träume und konnte dann bei Hauptsturmführer Zill durchsetzen, daß ich durch die Rapportführer Zaufs Josef 5) und Remele Josef 6) abgelöst wurde, die dann für mich zum Schießplatz fuhren und das Kdo. Feuer gaben. Im Dezember 1941, als Zill ersetzt wurde, wurde ich dann zum 3. Schutzhaftlagerführer ernannt. Hofmann wurde dann 1. Schutzhaftlagerführer und Obersturmführer Siegmann 7) zur Einarbeitung als 2. Schutzhaftlagerführer. Als 3. Schutzhaftlagerführer hatte ich in der Hauptsache die Überwachung des Strafrapportes und die Kontrolle der zur Arbeit eingesetzten Häftlingskommandos in Dachau und Umgebung.
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führt wurden. Es gab Prügelstrafen bis zu 25 Stockhieben, in besonders schweren Fällen 2 x 25 Stockhiebe und Pfahlbinden bis zu einer Stunde. Wenn ein Häftling mehr wie 25 Stockhiebe bekam, dann kann es nur so sein, daß der Rapportführer nicht richtig mitgezählt hat. Der zur Strafe aufgerufene Häftling wurde über einen eigens gebauten Bock gelegt und von 2 KZ-Männern gehalten und von 2 weiteren mit je einem Ochsenziemer geschlagen. Später wurde das Halten und Schlagen von Häftlingen durchgeführt. Es kam auch vor, daß Häftlinge nicht fest zugeschlagen und dann der Rapportführer nicht jeden Schlag gezählt hat. Vom Dezember 1942 bis März 1943, bis ich nach Allach kam, mußte ich zusehen, daß die Strafen, Prügelstrafen und Pfahlbinden richtig ausgeführt wurden.
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Die Häftlinge bekamen dann, je nach Strafbefehl 25 - 50 Stockhiebe mit dem Ochsenziemer oder bis zu einer Stunde anbinden an einen Pfahl. Für die Prügelstrafe mussten die Gefangenen laut mitzählen. Solange ich als Rapportführer die Strafbefehle verlesen mußte, zählte ich bei der Austeilung der Stockhiebe laut mit, sobald der Häftling nicht mehr zählen konnte. Als 3. Schutzhaftlagerführer gab ich dem Rapportführer, sobald der Arzt anwesend war, den Befehl mit dem Strafen anzufangen. Auch als Vernehmungsführer mußte ich 1942 öfter den Schutzhaftlagerführer vertreten und bei den Strafen dabei stehen. Die Strafen wurden von dem jeweiligen Lagerkommandanten oder seinem Vertretern, den 1. Schutzhaftlagerführern entschieden. Diese gaben den Befehl, die Häftlinge an den Pfahl zu binden, oder mit Prügelstrafen zu belegen. Einer der Vorgesetzten war bei Prügelstrafen immer anwesend.
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Etwa im April 1942 wurde auf Block 7 eine Unterdruckstation für die Luftwaffe errichtet. Ein Luftwaffenarzt Dr. Rascher 8) mußte die Versuche in einer Luftdruckkammer welche auf einem Wagen aufgebaut war. Ich bekam manchmal den Befehl, dem Dr. Rascher körperlich gut gebaute Häftlinge, vorwiegend Berufsverbrecher vorzustellen. Dr. Rascher ging dann selbst mit auf einen Block und fragte die Häftlinge, ob sie sich freiwillig zu Versuchen melden wollten; wenn dann Freiwillige da waren, suchte sich Rascher welche heraus. Es haben sich die ganze Zeit mehrere Häftlinge freiwillig gemeldet. Es war Juni, daß ich dabei zu Rascher gesagt habe, der oder derjenige ein festgebauterer Mensch, weil ich damals noch gar nicht wußte, was Rascher mit diesen Leuten machte. Rascher nahm die Häftlinge dann mit zur Vorführstation. Eines Tages wollte ich aus Neugier sehen, was in dieser Vorführstation gemacht würde.
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Da der Zutritt zu dieser Station allgemein verboten war, bat ich Rascher, mich einmal mitzunehmen. Ich sah dann in der Station mehrere gut genährte Häftlinge, die dort heißen Kaffee tranken, weil sie ein hinzugekommenen Häftling einsteigen ließ. Nach Verschluß der Kugel zog er durch Hebelgriffe die Luft aus der Kugel und nach einigen Minuten wurde der Häftling bewußtlos. Ich machte Rascher darauf aufmerksam, aber der hatte es nicht eilig mit der Luftzufuhr und nahm den Häftling erst nach einigen Minuten später heraus und ließ ihn auf einen Tragbahre legen und ins Revier tragen. Später erfuhr ich dann, daß der Häftling im Revier gestorben sei. Insgesamt hörte man von 30 - 40 Toten sprechen, die bei diesen Vorführungen starben.
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1941 habe ich als Vernehmungsführer zur Feststellung von Beständen auf Befehl des Lagerkommandanten oder des 1. Schutzhaftlagerführers Häftlinge meist Berufsverbrecher an den Pfahl gebunden und mit dem Ochsenziemer auf das Gesäß geschlagen. Auch sonst habe ich damals Häftlingen mit dem Stiefel ins Gesäß getreten, weil man nicht immer gleich eine Meldung schreiben wollte. In der Zeit von Dezember 1941 bis März 1943 als ich 3. Schutzhaftlagerführer war, waren die Prügelstrafe, die Arreststrafen und bis 1942 das Pfahlbinden als Strafe im K.Z. Dachau eingeführt. Die Arreststrafen waren 8 Tage, 14 Tage, 21 Tage und 42 Tage, wobei die Bestraften 2 Tage Brot und Wasser und am 3. Tag jeweils das volle Essen bekamen. Die Prügelstrafen und das Pfahlbinden wurde in der Woche 2 x, jeweils Dienstag und Freitag an 8, 10 - 15 Häftlingen durchgeführt.
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Die nächsten Angaben betreffen Allach. Ich selbst war in Allach Lagerführer und bekam die Strafbefehle von Dachau, die ich an die Rapportführer Steincke 9) und Neuner 10) weitergab. Der Kommandant in Dachau gab auch den Befehl, Häftlinge kurz nach der Tat gleich ohne Strafbefehl zu bestrafen und diese dann nachzureichen. Diese Befehle gab ich an meine Vertreter und Rapportführer weiter. Ausserdem wurde in Allach auch (Prügelstrafen durchgestrichen) Arreststrafen durchgeführt und in wenigen Fällen auf Grund eines Straftbefehls die Kost (Arbeitszulage entzogen). Die Strafen wurden entweder von mir selbst, oder von meinen Vertretern, Hauptscharführer Eberl 11), Willy Wagner 12) oder Sturmführer Müller 13) überwacht. Wie bereits angegeben habe ich auf Grund des Befehles vom Lagerkommandanten, daß Häftlinge auch ohne Strafbefehl zu bestrafen seien, auch selbst Befehle an die Rapportführer
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weitergegeben. Arzt war in Allach keiner anwesend. Das Strafmaß war das gleiche wie in Dachau. Im Jahre 1944 wurden in Allach 5 - 6 Häftlinge exekutiert, es waren Tschechen, Polen und Russen. Sie wurden wegen Sabotage erhängt. Soviel ich weiß, bekamen die Häftlinge nach Vernehmung in Dachau ein Standgerichtsurteil von Berlin und wurden dann durch ein Exekutionskommando von Dachau unter Führung von Obersturmführer Ruppert 14) erhängt. Ich hatte von Dachau den Befehl, dabei jedesmal etwa 3000 Häftlinge antreten zu lassen. Die in Allach geflüchteten Häftlinge sind nach ihrer Festnahme sofort nach Dachau gekommen. Ein Häftling wurde auf der Flucht erschossen. Während meiner Zeit in Dachau als Schutzhaftlagerführer bekam ich die Befehle, Häftlinge zu schlagen (bestrafen) von den Kommandanten und dem 1. Schutzhaftlagerführer:
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Piorkowski, 15) Weiß, 16) Zill, Hofmann, 17) Redwitz 18) und Campe. 19) Von einem englischsprechenden Häftling, der in der Luftdruckkammer gestorben ist, weiß ich nichts. Über Willy Wagner weiß ich nur, daß er von Dachau als Schläger in der SS bekannt war. Er hatte wegen so einem Falle mit dem 1. Schutzhaftlagerführer Zill zu tun, weil ihn die Häftlinge wegen Schlagen gemeldet haben.“ 20)
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1) Egon Gustav Adolf Zill , * 28.3.1906 in Plauen, Bäcker, SS-Sturmbannführerer und Kommandant verschiedener Konzentrationslager. Ab Ende Juli 1943 Kommandant des KZ-Flossenbürg. 2) Franz Johann Hofmann,* 5.4.1906 in Hof (Saale); † 14.8.1973 in der Justizvollzugsanstalt Straubing, SS-Hauptsturmführer. 1. Schutzhaftlagerführer im KZ-Auschwitz.
3) Kutterfeind. Nicht ermittelt.
4) Kiem. Nicht ermittelt.
5) Josef Zaufs, SS-Rapportführer, Nicht ermittelt.
6) Josef Remmele,* 3.3.1903 in Auerbach; † 3. Dezember 1948 in Landsberg am Lech, SS-Rapportführer.
7) Friedrich Wilhelm Siegmann,* 16.9.1898 in Oebisfelde; † 15. August 1969 in Braunschweig, SS-Hauptsturmführer.
8) Sigmund Rascher,* 12.2.1909 in München; † 26.4.1945 im KZ Dachau, Arzt.
9) Paul Steincke, * 17.5.1906, Deutscher, SS-Oberscharführer, Rapportführer in Dachau-Allach.
10) Josef Neuner, * 1913; † 29.5.1946, Deutscher, Bergmann, SS-Sturmscharführer, von Juli 1944 bis April 1945 im KZ-Außenlager Dachau-Allach. Vgl. IMT Case No. 000-50-2-78 (US vs. Josef Neuner) Tried 28 Mar. 47.
11) Sebastian Eberl, * 7.8.1909 in Wendelskirchen, Deutscher, SS-Hauptscharführer, von 25.2.1943 bis 1.8.1944 stellv. Lagerkommandant des KZ-Außenlagers Dachau-Allach. Ab Juli 1944 auch über das O.T.-Lager Rothschwaige und O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, von August 1944 bis Kriegsende Lagerführer in Mettenheim (Mühldorf), 1981 verstorben.
12) Wilhelm Wagner, * 28.11.1904 in Augsburg; † 29.5.1946 in Landsberg am Lech. Deutscher SS-Hauptscharführer, von April bis August 1944 im Außenlager Allach als Kommandoführer eingesetzt. Verurteilt im 1. Dachauer Prozess, hingerichtet in Landsberg.Vgl. IMT Case No. 000-50-2 US vs. Martin Gottfried Weiss et al) Tried 13 Dec. 45).
13) Max Müller, * 12.9.1910 in München, Buchhalter, Deutscher, SS-Untersturmführer.
4) Friedrich Wilhelm Ruppert, * 2. 2.1905 in Frankenthal (Pfalz); † 28.5.1946 in Landsberg am Lech, SS-Obersturmführer, ab 6.8.1944 1. Schutzhaftlagerführer in Dachau. Im Dachauer Prozeß am 13.12.1945 zum Tode verurteilt.
15) Alexander Bernhard Hans Piorkowski, * 11.10.1904 in Bremen; † 22.10.1948 in Landsberg am Lech, Deutscher, SS-Sturmbannführer, Von Februar 1940 bis September 1942 Lagerkommandant des Konzentrationslager Dachau.
16) Martin Gottfried Weiß,* 3.6.1905 in Weiden in der Oberpfalz; † 29.5.1946 in Landsberg am Lech, Deutscher, SS-Obersturmbannführer und Von 1.9.1942 bis 31.10.1943 Lagerkommandant in Dachau.
17) Franz Johann Hofmann,* 5.4.1906 in Hof (Saale); † 14.8.1973 in der Justizvollzugsanstalt Straubing, SS-Hauptsturmführer. 1. Schutzhaftlagerführer im KZ-Auschwitz.
18) Michael Redwitz,* 14.8.1900 in Bayreuth; † 29.5.1946 in Landsberg am Lech, Deutscher SS-Hauptsturmführer und Schutzhaftlagerführer in mehreren Konzentrationslagern.
19) Herrmann Campe, * 8.11.1910; für tot erklärt am 31.12.1950, SS-Hauptscharführer, Rapportführer im KZ-Sachsenhausen.
20) Josef Jarolin, * 6.3.1904, Erklärung vom 30.10.1945, KZGSD Archiv 6611. Übertragung aus dem Handschriftlichen von Klaus Mai.
