Karl Konrath

Häftling im KZ-Außenlager Dachau-Allach

„Nach der Saarabstimmung im Jahre 1935 emigrierte ich aus politischen Gründen nach Frankreich. Von 1936 bis 1939 kämpfte ich in Spanien auf der republikanischen Seite. Nach dem Bürgerkrieg kam [ich in ein] Internierungslager in Frankreich. Im Anschluss daran wurde ich zur „Ausländischen-Arbeits-Kp.“ eingezogen. Bei Kriegsende mit Frankreich im Jahre 1940 wurde ich aus der Arbeits-Kompanie entlassen. Am Ostersamstag 1943 wurde ich von der französischen Polizei festgenommen und der Gestapo übergeben. Ich wurde dann nach Saarbrücken verschubt und sollte dort wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt werden. Das Verfahren wurde vom Volksgerichtshof in Berlin wegen Mangel an Beweisen eingestellt. Wegen Wehrentziehung wurde ich dann zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe verbüßte ich in Saarbrücken. Im Anschluss daran kam ich in Schutzhaft. Im Februar/März 1944 wurde ich in das KL Dachau eingeliefert. Dort verblieb ich etwa drei bis vier Wochen.

Anschließend erfolgte meine Verlegung in das Nebenlager Allach, wo ich bis Ende 1944 verblieb. Kaufbeuren und von dort wieder nach Allach zurück, wo wir von den amerikanischen Truppen befreit wurden, Ich war im Lager politischer Häftling und hatte die Nummer 63046.

Eine besondere Funktion bekleidete ich in den aufgeführten Lagern nicht. Erinnerlich ist mir noch, dass Jarolin Lagerführer im Nebenlager Allach war. Welche Funktion Eberl hatte, kann ich heute nicht mehr sagen. Namen von weiteren SS-Angehörigen sind mir nicht mehr in Erinnerung. Auf der mir vorgelegten Lichtbildtafel erkenne ich keine der abgebildeten Personen. Allgemein waren alle SS-Angehörigen im Lager Schweine. Ich möchte dabei keinen besonders hervorheben.

Erinnerlich ist mir noch, dass im Sommer 1944 vier russische Häftlinge auf dem Appellplatz gehängt wurden. Bei der Erhängung mußten alle Häftlinge antreten und die Wachen wurden verstärkt. Soweit ich mich noch entsinne, waren insgesamt vier Galgen auf dem Appellplatz aufgestellt.Unter den Galgen stand jeweils ein Hocker. Ich bin der Meinung, dass es SS-Angehörige waren, welche die Exekution durchführten. Bei der Exekution waren Jarolin und Eberl anwesend. Erinnerlich ist mir noch, dass bei einem Delinquenten der Strick riss und der Häftling nochmals aufgehängt wurde. 1) Ein Häftling soll in den BMW-Werken Sabotage verübt haben und die übrigen drei Häftlinge sollen geflohen sein. Nähere Einzelheiten kann ich nach dieser langen Zeit nicht mehr angeben.“ 2)
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1) Karl Konrath schildert vermutlich die Hinrichtung der Häftlinge Iwan Kolisnitschenko, Stanislaus Kowal und Wladimir Remnew in Allach am 15.4.1944. Bei Wladimir Kowal riss der Strick. Er wurde sofort nochmal erhängt. Dies wird auch vom Häftling Karl Krämer bestätigt. Jakob Lorscheider, der ebenfalls Zeuge dieser Hinrichtung war, schildert zudem, dass die Häftlinge mit Musik zum Appellplatz geführt wurden. Ausführlich wird diese Hinrichtung auch von Otto Oertel geschildert.
2) Karl Konrath, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/1, Blatt 280 ff.

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