„Iffeldorf, den 3. Mai 1945
Bericht: Auf Ersuchen des Herrn Kommandanten in Iffeldorf berichten wir Unterfertigten über die Geschichte dieses Juden-Häftling-Transportes, der hier am 29. April durch die amerikanische Armee befreit wurde, folgendes:
Gesamtzahl der Häftlinge war ca. 2.400. 1) Unter ihnen waren ca. 1.000 Frauen. Das Alter der Häftlinge war in beiden Geschlechtern zwischen 15 und 55 Jahren. Die meisten von ihnen stammen aus Ungarn, wenige aus Polen, wenige aus der Tschechoslowakei, einige aus Holland, Frankreich, Belgien, Österreich und Deutschland. Der Transport kam aus dem KZ-Lager Dachau, das bei Allach liegt. Eingeladen wurde der Transport auf dem Bahnhof Karlsfeld am 24. April nachmittags. Die Frauen wurden in gedeckten, die Männer in offene Wagen eingeladen. Der Zug hielt an der Einladungstation Karlsfeld 3 Tage.
Am 25. April abends fuhr der Zug Richtung München ab, nachdem man die während des 3-tägigen Aufenthalts in Karlsfeld 2) verstorbenen 3 Personen aus dem Zug geholt hat. Der Transport ist nur nachts gefahren, so dass die Häftlinge über die Fahrt nicht orientiert waren. In jedem Waggon waren zwei Posten bei 50 bis 60 Häftlingen. Die tägliche Verpflegung war ca. 300 bis 350 Gramm Brot und 40 bis 50 Gramm Wurst. Am 28. April bekamen die Häftlinge vom Internationalen Roten Kreuz Liebesgabenpakete, wodurch das Leben vieler gerettet wurde.
Am 29. April abends hielt der Zug in Staltach, wo andern Tags durch die amerikanischen Truppen die Befreiung stattfand. Der Führer dieses Transportes ein SS-Oberleutnant, 3) der dann mit den Bewachungsmannschaften (mit Ausnahme einer SS-Frau) in Gefangenschaft geriet, war entschieden guten Willens, denn er brachte den Transport von einer Stelle, wo Kämpfe stattfinden sollten, nach Staltach zurück. Sein allgemeines Benehmen während der Fahrt war human. Der größte Teil des Transportes bzw. der Männer im Transporte stammen aus Ungarn, ebenso auch der größte Teil der Frauen. Sie alle wurden in Ungarn im April, Mai und Juni 1944 verhaftet. Sie wurden nach der Inhaftnahme nach Auschwitz verbracht, wo sie aller persönlichen Habseligkeiten beraubt wurden. Die Familien wurden auseinandergerissen, die arbeitsfähigen Männer und Frauen wurden aussortiert und teils nach Warschau, teils nach Dachau, teils nach Geislingen an der Steige (Württemberg), teils nach Buchenwald, teils nach Cofrin 4) (Frankreich) verschleppt.
Die Arbeitsunfähigen, die Alten und die Kinder bis 14 Jahren sind in Auschwitz zurückgeblieben. Ob man die Mütter von den kleinen Kindern getrennt hat, entgeht unserer Kenntnis. 5) Im Lager Birkenau-Auschwitz waren wir einige Wochen. Dort wurden wir schwer gepeinigt. Geschlafen haben wir in einer Baracke, 1.000 bis 1.200 Mann beieinander, auf dem Steinboden ohne Stroh u. Decke. Die Verpflegung war ca. 250 Gramm Brot, 10 Gramm Margarine u. ca. 3 bis 4 Deziliter Wasser-Suppe; Essgeschirr gab es keines, Reinigungsmöglichkeiten waren nicht vorhanden. Geschlagen wurden wir ohne jegliche Ursache durch die uns vorgesetzten Häftlinge, die sich aus Zigeunern rekrutierten. Viele von uns starben am Fehlen jeglicher ärztlichen Behandlung u. Arzneimitteln, da letztere uns geraubt wurden, so vor allem viele an Zuckerkrankheit, da uns das mitgebrachte Insulin genommen wurde, (...).“ „
Bericht über die nach Warschau Verschickten: 6)
Im Monat Juni 1944 wurde ein Transport von 3.500 Männern nach Warschau verschleppt. Ihre Arbeit bestand im Aufräumen des durch die SS zerstörten Ghettos. Infolge Unterstützung durch die Bevölkerung war ihre Verpflegung ausreichend. Im August 1944, als die Russen Warschau bedrohten, wurden sie wegeschafft u. nach Dachau gebracht. 7) Zuerst mussten sie innerhalb drei Tagen 150 km zu Fuß marschieren, wer zurückblieb wurde auf der Stelle von der SS erschossen; Verpflegung war 300 Gramm Brot pro Tag, Wasser wurde nicht verabreicht, der Marsch war fluchtartig. Die Überlebenden wurden nach diesem Marsch einwaggoniert, und zwar kamen in jeden Waggon 90 Personen, SS-Posten und Capos; den letzteren beiden musste die Mitte des Wagens freigehalten werden. Die Verpflegung war dieselbe wie die während des Marsches. An manchen Tagen gab es überhaupt keine Verpflegung. So zusammengedrängt reichte man bei größter Hitze keinen Tropfen Wasser. Um einen goldenen Zahn gaben die Posten ein wenig Wasser. Bei einem Wassergraben stürzten viele Häftlinge aus den Wagen, um ihren fürchterlichen Durst zu stillen, wurden aber von der SS erschossen. Viele wurden in den Waggons wahnsinnig und ebenfalls erschossen. Wer klagte oder jammerte, wurde von den SS-Männern und Capos totgeschlagen. So kam dieser Transport nach Dachau mit 350 Toten und mehr als 700 Schwerkranken, die in der nachfolgenden Zeit zum größten Teil im Dachauer Lager gestorben sind. Die Überlebenden wurden in verschiedene Arbeitslager eingeteilt u.a. in das O.T.-Lager Allach, unter diesen waren viele Burschen im Alter von 14 u. 15 Jahren, die Schuss- oder Bajonettverletzungen hatten. 8)
Bericht über die nach Allach-Dachau Verschickten:
Am 17. Juli 44 kam der Transport von Auschwitz nach Allach. Dort wurden die Häftlinge in Arbeitskommandos eingeteilt. Die zwei schweren ,Hinrichtungskommandos‘ waren Bahnbau Karlsfeld und Firma Sager u. Woerner; Besitzer letzterer Firma war Reichsminister Todt. Dieses Lager gehörte zu dem nebenanliegenden KZ-Lager, wo SS-Hauptmann Jarolin 9) als Lagerführer tätig war. Dieser Mann hat persönlich viele Insassen ermordet; es wurde von ihm dafür gesorgt, dass die Häftlinge in den oben genannten zwei Kommandos auf das Furchtbarste gepeinigt wurden. Im Bahnbaukommando Karlsfeld setzte er als Capo den Häftling Christian Knoll, 10) der bereits vorher mit eigener Hand viele Häftlinge ermordet hat, ein.
Als Kommandoführer fungierte ein SS-Sturmführer, 11) welcher den beiden Vorgenannten durch sein Verhalten ebenbürtig war. So wurde bei den Arbeiten am Bahndamm den Häftlingen am 2. Dezember die Mäntel abgenommen, wodurch viele an Lungenentzündung starben. Geschlagen wurden die Häftlinge durch Capo u. Kommandoführer ohne jegliche Ursache. Die Arbeitszeit dauerte von früh morgens bis abends, das Mittagessen musste unter freiem Himmel am Arbeitsplatz eingenommen werden, erst in letzter Zeit wurde dazu eine Hütte aufgestellt. Bedauerlicherweise waren unter den Kapos, die die Leute zur Arbeit antrieben, auch drei jüdische Hilfskapos, namens Franz Böhm, 12) Eduard Gutmann 13) u. Weigl. 14) Letztere nahmen von dem wenigen Essen den Häftlingen noch einen Teil weg.
Im Kommando Sager u. Wörner wurden die Mäntel am gleichen Tage ebenfalls weggenommen. Dieses Kommando arbeitete in den Bayer. Motoren Werken beim Bunkerbau in Tag- und Nachtschichten. Die Häftlinge mussten Zement, Eisen und Holz zum Bunkerbau aus den Waggons ausladen u. auf den Schultern oft 2 u. 3 Stockwerk hoch hinaufschleppen; Arbeitszeit: 12 Stunden. Kommandoführer war Oberscharführer Jentsch. Dieser schikanierte die Häftlinge auf die grausamste Weise. z.B. beim Ausmarschieren mussten fünf Arm in Arm im Laufschritt gehen, ließ einer los, wurde er von dem eigens darauf dressierten Hund ,Nero ' angefallen u. gebissen und zugleich von Jentsch 15) geschlagen, so dass der größere Teil des Kommandos zu Grunde ging. In einer Woche sind 58 Häftlinge den Verletzungen und Schlägen erlegen.
Von dem wenigen Essen stahl Jentsch noch das Hundefressen weg, welches vom Tier oft wegen seiner Minderwertigkeit verschmäht wurde. Helfershelfer des Jentsch waren bei seiner grausamen Tätigkeit Capo Kotz, 16) Hilfskapo Stephan Akzel, 17) Vorarbeiter Sesnowsky 18) und Wiener. 19) Sie alle schlugen u. peinigten die Leute auf das Scheußlichste. In den anderen Kommandos zeichneten sich durch ihre grausame Tätigkeit Capo Chlatt 20), Hilfscapo Steiner 21) u. Hilfskapo Glas 22) aus. Steiner hat vornehmlich vom Essen der Leute gestohlen, sie in die Arbeit gehetzt.
Im Lager war Blockschreiber Rotholz 23 der Mann, welcher unbarmherzig die Alten und Schwachen in die schweren Kommandos durch den Arbeitseinsatzschreiber Zoltan Friedmann 24) einteilen ließ, wodurch diese beiden den Tod vieler verursacht haben. Übrigens war Rotholz mittägig an der Verschiebung der zustehenden Lebensmittelrationen durch die Blockleiter. Letztere wurden von Jarolin dafür bestraft. Zoltan Friedmann hätte die Möglichkeit gehabt, zu diesen schweren Kommandos jüngere Leute zu schicken, die den schweren Strapazen eher gewachsen gewesen wären, er ist daher am Tode vieler älterer u. schwächlicherer Leute mitschuldig.
Im Lager war ein Revier. Die Ärzte desselben, an der Spitze Dr. Molnar, 25) haben alles getan, um die Kranken zu retten. Sie hatten aber keine Arzneimittel, konnten keine Krankenkost verordnen und waren in jeder Hinsicht vom Reviercapo in ihrer Tätigkeit behindert. Derselbe Capo scheute sich nicht, Ärzte wie Kranke blutig zu schlagen.
Bericht über die nach Geislingen Verschickten: 26)
Gegen den 15. August wurde ein Transport von 800 Frauen u. Mädchen nach Geislingen verschickt. Dort arbeiteten sie in einer Maschinenpistolenfabrik. Die Arbeitszeit betrug 12 Stunden in Tag- und Nachtschicht. Die Verpflegung bestand aus einer Kartoffel in der Schale, 3/4 Liter Wassersuppe mit Steckrüben u. 150 bis 200 Gramm Brot pro Tag. Wenn eine von ihnen sich eine Kartoffel aneignete, wurde sie zuerst so lange ins Gesicht geschlagen, bis sie blutete, danach gab es noch 25 Schläge auf das Hinterteil. Wenn deutsche Fabrikangestellte einem Häftling eine Kartoffel oder einen Apfel schenken wollten, wurde gegen sie von den SS-Frauen Meldung erstattet, die Häftlinge aber mussten zur Strafe stundenlang dafür im Winter im Freien stehen. Die Namen derjenigen SS-Frauen, die sich am gemeinsten benahmen, sind folgende: Rosl Baumeister, 27) Paula Weber, 28) eine Frau Sauer 29) und Maria Klotz. 30) Die letzte ist aus dem Waggon entkommen, ehe sie von amerikanischen Soldaten verhaftet werden konnte. 31)
Bericht über die nach Buchenwald Verschickten:
Anfang April 1945 wurden die Häftlinge aus dem Lager Buchenwald nach Allach-Dachau überführt, ungefähr zur selben Zeit, als die Frauen aus Geislingen daselbst ankamen. Es waren ungefähr 800 bis 1.000 Leute. Während der Fahrt hatten sie 120 Tote, nach der Ankunft des Transportes starben im Lager davon täglich ca. 20 Insassen. Ursache dafür waren Misshandlung und Unterernährung. Nähere Einzelheiten können darüber nicht aufgeführt werden, da wir von diesen Lagerinsassen getrennt lebten. Bericht über die nach Cofrin Verschickten: Aus Cofrin [Saint-Croix-aux-Mines oder Markirch] wurden die Häftlinge im vorigen Herbst evakuiert. In Frankreich hatten sie es verhältnismäßig gut, da sie von den Franzosen unterstützt wurden. Von Frankreich aus kamen sie in eine deutsche Salzgrube [Klaus Mai: Oberehnheim], wo selbst sie durch Misshandlung und Hunger große Verluste hatten. Nähere Einzelheiten können wir deshalb nicht angeben, da zurzeit keiner der Häftlinge uns zwecks Verhörs zur Verfügung stand. Die von den amerikanischen Truppen am Bahnhof Staltach befreiten 2.400 Häftlinge sind der eine Rest der oben geschilderten Transporte, der andere Rest, nämlich der nicht reisefähige, blieb in Allach.“ 32)
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1) Die Unterzeichneten sprechen hier über die Gesamtzahl des Evakuierungszuges.
2) Gemeint ist das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, das im Juli 1944 in einem abgetrennten Bereich des Außenlagers Dachau-Allach in Betrieb genommen und im Juli 1944 mit ca. 800 jüdischen Häftlingen aus Auschwitz belegt wurde. Sie waren u.a. beim Bunkerbau für BMW u.a. im Kommando Dyckerhoff und Sager & Woerner eingeteilt. Ab Mitte April 1945 war Allach-Karlsfeld Ausweichziel von Evakuierungstransporten aus den geräumten Außenlagern.
3) SS-Rottenführer Erich Jellinek war ab Februar 1945 bis Kriegsende Lagerführer des O.T.-Lagers Allach-Karlsfeld.
4) Cofrin: Vermutlich handelt es sich hier um den Ort Markirch, Saint-Croix-aux-Mines im Elsass. Im Zuge der Verlagerung der Produktion hatte BMW von Allach einen Teil der Produktion in einen Eisenbahntunnel nach Markirch ausgelagert. Am südwestlichen Ende befand sich der Ort, der sich umgangssprachlich gesprochen wie Cofrin „anhört“: Saint-Croix-aux-Mines. Der Ort ist ein Nachbarort von Markirch (Saint-Marieaux-Mines), in dem sich das „Hundehüttenlager“ am Eingang des Lemaire-Tunnels befand.
5) Mütter von kleinen Kindern sind bei den Selektionen in Auschwitz-Birkenau in der Regel gemeinsam mit ihren Kindern ermordet worden.
6) Vgl. dazu: Max Mannheimer, Spätes Tagebuch, Piper Verlag, 2. Auflage, April 2013, S. 108 ff
7) Zugangsbuch Dachau. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0027\0064 ff. und ITS 1.1.6.1\0001-0189\0028.ff. Insgesamt wurden 3.953 Häftlinge am 6.7.1944 aus Warschau in Dachau registriert (Häftlingsnummern 87089 - 91042), davon 92 Tote am Zielort Dachau.
8) Am 11.7.1944 trafen 800 Häftlinge aus Auschwitz in Allach ein, von denen 500 am 24.7.1944 nach Mühldorf überstellt wurden. Die Firma Sager & Woerner erhielt von 1938 an Aufträge von der (O.T.) Organisation Todt. Die 1938 gegründete O.T. unterstand ab 1940 dem Rüstungsministerium und wurde für militärische und rüstungswirtschaftliche Baumaßnahmen eingesetzt. Ihr erster Leiter war Fritz Todt (1891-1942), Bauingenieur; 1925-1933 technischer Leiter des Bauunternehmens Sager & Woerner, 1933 Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, von 1940 bis zu seinem Tod Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Nachfolger: Albert Speer.
9) Josef Jarolin (1904- 1946), Polizeibeamter; 1933 NSDAP. 1935 SS-Eintritt, 1936 Wachmann im KZ Sachsenhausen, 1938 Wechsel nach Dachau, ab 1940 Rapportführer, Ab Dezember 1941 3. Schutzhaftlagerführer, von März 1943 an 1. Lagerführer des Dachauer Außenlagers Allach, April 1944 SS-Obersturmbannführer; 1946 im Dachauer Hauptprozess zum Tode verurteilt und in Landsberg hingerichtet.
10) Christof KnolI, * 20.4.1895 in Fürth, # 45061, 125, 3700, Schneider, Sch., gesch., 2 Kinder, Deutscher. Ab September 1933 an Häftling in verschiedenen KZ, In Allach ab 20.7.1944, 1946 im Dachauer Hauptprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet.
11) Leonhard Meyer (* 1899), Beruf; SS-Oberscharführer, war von August 1944 bis Februar 1945 Lagerführer in Karlsfeld, danach in Mühldorf; 1947 während der Dachauer Prozesse zu lebenslanger Haft verurteilt, 1962 begnadigt und entlassen.
12) Franz Böhm, * 22.3.1896, # 79088, Economist, Sch.-J., verh., 2 Kinder, Jude, Ungar. Seit 12.8.1944 von Auschwitz kommend Häftling im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, Hilfskapo. Vgl. ITS 1.1.6.7\BLO-BO 0850.
13) Eduard Guttmann, * 13.8.1904 in Dubno, # 49.691, Landwirt, Sch.-J., verh., Jude, Tscheche. Seit 12.8.1944 von Auschwitz kommend Häftling im O.T.-Lager Karlsfeld, Hilfskapo. Vgl. ITS 1.1.6.7\GUIJ-HAK\0689.
14) Otto Weigl, * 29.1.1899 in Tschalkowitz, # 68647, Forstbeamter, Sch.-J., led., Jude, Tscheche. Seit 12.8.1944 von Auschwitz kommend Häftling im O.T. -Lager Karlsfeld, Hilfskapo. Vgl. ITS 1.1.6.7\WAU-WEISZ-R\0543.
15) Heinz Jentzsch (1917-1994), Landwirt; 1934 SS-Eintritt, Nov. 1934 Wachmann im KZ Sachsenburg, 1938 Mauthausen, Ende 1940 bis Februar 1943 im Außenlager Gusen, November 1942 SS-Hauptscharführer, Juli 1944 Rapportführer im Dachauer Außenlager Karlsfeld, 1968 vor dem Landgericht Hagen wegen Morden in Gusen zu lebenslänglicher Haft verurteilt, 1982 auf Bewährung entlassen.
16) Ernö Kost, * 9.8.1899 in Petenye, # 70855, Landarbeiter, Sch.-J., led. isr., Ungar. Seit 12.8.1944 Häftling im O.T.-Lager Karlsfeld, Hilfskapo. Vgl. ITS 1.1.6.7\KORN-KOVACS-K\0909.
17) Istvan Aczel, * 22.12.1895 in Szekesfehernar, # 79027, Kaufmann, Sch.-J., verh., 2 Kinder, jüd., Ungar. Seit 12.8.1944 im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, Kapo. Vgl. ITS 1.1.6.7\A-ALLD\0466.
18) Mieczyslaw Sosnowski, * 12.10.1907, Pole, # 19069, Werkzeugschlosser, led., Pole. Von Flossenbürg am 28.8.1944 in das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld überstellt. Vgl. ITS 1.1.6.7\SEN-SIL\0421.
19) Lazlo Wiener, * 2.4.1899 in Zagyvarekas, † 10.1.1945, # 79797, Landwirt, Sch.-J., led., Jude, Ungar. Seit 11. 7.1944 von Auschwitz kommend Häftling im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld; Kapo. Vgl. ITS 1.1.6.7\WIEDER-WITEQ\0138
20) Kapo Chlatt, nicht ermittelt.
21) Emil Steiner, * 21.1.1894, # 79674, Kaufmann, Sch.-J., verh., Jude, Ungar. seit 12.8.1944 von Auschwitz kommend Häftling im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, Hilfskapo. Vgl. ITS 1.1.6.7\STEIE-STOB\0377.
22) Sandor Glass, * 2.11.1907 in Igram, # 79.233, Bäcker, Sch.- J., verh., 1 Kind, isr., Ungar. Von Auschwitz kommend seit 12.8.1944 Häftling im O.T.-Lager. Vgl. ITS 1.1.6.7\GL-GOLDR\0178.
23) Miksa Rotholz, * 15.3.1895 in Budapest, # 79.591, Privatbeamter, Sch-J, verh. Jude, Ungar. Von Auschwitz kommend seit 12.8.1944, Häftling im O.T.-Lager Karlsfeld, Blockschreiber. Vgl. ITS 1.1.6.7\ ROSG-RUDI\0646.
24)Zoltan Friedmann, * 30.9.1922, # 87261, von Natzweiler kommend seit 6.8.1944 Häftling im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, Architekt, Arbeitseinsatzschreiber. Vgl. ITS 1.1.6.7\ FRIEDMANN-GAIK\0245.
25) Dr. Vilmos Molnar, * 23.11.1894 in Nagyvarad, # 71099, Arzt, Sch.-J., verh., 2 Kinder, Jude, Ungar. Von Auschwitz kommend seit 12.8.1944 Häftling im O. T.-Lager Karlsfeld, Pfleger im O. T.-Lager Karlsfeld, starb bei der Befreiung des Lagers durch die 7. US-Armee („Rainbowdivision“) am 30. April 1945 als eine Granate während des Artilleriegefechts um das O.T.-Lager in der Revierbaracke einschlug. Vgl. ITS 1.1.6.7\MILD-MOK\1632.
26) In Geislingen an der Steige, einer Kleinstadt am Rande der Schwäbischen Alb, entstand im Juli 1944 ein Frauenaußenlager des KZ Natzweiler. Die Häftlinge mussten bei der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) Zwangsarbeit leisten. Im April 1945 wurden die Frauen in Richtung Allach deportiert. (Lagerführer war SS-Oberscharführer Christian Ahrens. Nach seiner Versetzung zur 1. Kompanie des SS-Totenkopf-Sturmbanns des Konzentrationslagers Natzweiler wurde er von Schopp abgelöst, ab Januar 1945 übernahm Rene Roman die Lagerführung bis zum Zeitpunkt der Evakuierung der Häftlinge nach Dachau-Allach.)
27) Rosa Baumeister, später Rosa Müller (* 1923), Arbeiterin; seit 1941 in der Württembergischen Metallfabrik in Geislingen, Juli 1944 bis April 1945 Aufseherin im AL Geislingen, von November 1944 an Lagerführerin, nach Überführung der Häftlinge nach AI/ach Lagerführerin in Allach; nach dem Krieg in US-Internierung, 1948 durch das französische Militärgericht in Rastatt zu 6 Jahren Haft verurteilt, 1950 entlassen, danach wieder Arbeiterin bei WMF in Geislingen.
28) Paula Weber, später Paula Feltmann (* 1922), Arbeiterin, von WMF im Juli 1944 als Aufseherin rekrutiert; 1946 Festnahme und bis 1949 Internierung in Ludwigsburg, Dachau, Reutlingen, danach wieder in Geislingen wohnhaft.
29) Hedwig Sauer geb. Kraus (* 1919), stammte aus Deggingen i. T., Aufseherin in Geislingen; lebte nach dem Krieg in Saarbrücken.
30) Marie Klotz (1922-1955), Arbeiterin; Aufseherin Geislingen, 1947 aus der amerikanischen Zone nach Polen ausgeliefert, 1948 vom Bezirksgericht Warschau zu 3 Jahren Haft verurteilt, 1949 entlassen, wohnte später in Göppingen.
31) SS-Frauen waren: Klara Pförtsch., * 29.8.1906 in Hof, # 29120, Fibinger, Walpurga, * 28.12.1901 in Prag, # 29121, Margarete Normann, * 19.6.1901 in Mährisch Ostrau, # 154479 und 29123 (Natzweiler-Nummer), Deutsche, kam am 11.4.1945 über den Frauentransport aus Geislingen nach Allach, Irma Butzke, * 25.3.1924 in Lützlow, # 29124 und Gertraud Müller, * 29.11.1915 in Feuerbach, # 29125. Alle SS-Frauen aus Geislingen hatten auch in AIlach diese Funktionen inne.
32) 82 jüdische Frauen blieben in Allach zurück. Vgl. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0147\0201.
