Hendricus Arendse

Der Holländer Hendricus Arendse, Inhaber einer kleinen Leimfabrik und Handlungsreisender versuchte die Schuhmacher zu überzeugen, die Schuhsohlen zu kleben, anstatt mit Nägeln zu befestigen. Er lebte in Den Haag und war seit 26. September 1934 mit Christina, geb. Kleijn verheiratet. Sie arbeitete als Buchhalterin und war seine Sekretärin in der Leimfabrik. Die schwierige wirtschaftliche Situation zwang Arendse am 1. Mai 1940 zum Verkauf der Fabrik. Er selbst blieb als Direktor und Vertreter in der Firma. Im Dezember 1940 wurde die gemeinsame Tochter Kitty geboren. Die Familie wohnte zu dritt in Den Haag in einer Wohnung in der Vreeswijkstraße 122.

Nach dem Überfall Deutschlands und der Bombardierung von Rotterdam am 10. Mai 1940 bildeten sich in Holland mehrere Widerstandsgruppen. Anfang 1941 trat Hendrikus Arendse und sein Bruder Jan einer Widerstandsgruppe bei und bildeten zu dritt eine „Zelle“. Sowohl Hendricus als auch sein Bruder versteckten in ihren Wohnungen eine kleine Druckmaschine auf denen sie gegen die Nazis gerichtete Flugblätter und Pamphlete in kleinen Auflagen druckten. Hendricus lies diese auf seinen Vertreterreisen an öffentlichen Orten, Zügen und Bahnhöfen liegen.

Am 9. September 1941 wurde Arendse zu Hause in Den Haag von der „SiPo“ verhaftet und zum Verhör in das Gestapo-Gefängnis in den „Binnenhof Den Haag“ gebracht. Das Gestapogefängnis lag im Innenhof des Parlaments. Danach wurde er in das „Oranjehotel“ - das Untersuchungsgefängnis von Scheveningen - überstellt. Im Dezember 1940 gelang es ihm seine Tochter zu ihrem 1. Geburtstag zu sehen. Im März 1942 wurde er in das „Polizeiliche Durchgangslager Amersfoort“ in der Provinz Utrecht verlegt. Dort wurde er in der näheren Umgebung des Lagers zur Rodung des Waldes eingesetzt und arbeitete im Sägewerk.

Am 31. März 1942 wurde er als politischer Häftling („Nacht- und Nebelhäftling“) in das KZ Buchenwald überstellt. 1) Niemand in seiner Familie und der Außenwelt wusste zu dieser Zeit, ob Hendricus Arendse noch leben würde. Von Buchenwald wurde er am 13. Oktober 1942 in das KZ-Sachsenhausen verlegt, wo er in den Klinkerwerken für die Bauten von Albert Speer Monat für Monat aus Wasser und Lehm Steine herstellte. 2)

Durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Nach drei Monaten wurde Arendse so schwach, dass er zum Sterben in die Baracke 10 von Buchenwald gebracht wurde. Dort lernte er Gerrit Jan van Deventer 3) kennen. Über ihn und seine Ehefrau Christina gelang es ihm schließlich eine geheime Nachricht an seine Frau zu übermitteln. Dadurch erfuhr seine Ehefrau verschlüsselt aus einem Brief, dass er noch lebte. Arendse lernte dort auch Hubert Rutte 4) kennen. Durch Eintausch seiner Schuhe gelang es ihm, in die Baracke 17 verlegt zu werden. Dort konnte ihn Rutte Pflegen und er kam er wieder „auf die Beine“.

In immer noch schlechtem Gesundheitszustand wurde er am 1943 von Sachsenhausen nach dem KZ-Natzweiler überstellt. 5) Der Vormarsch der Alliierten erzwang schließlich Anfang September 1944 die Verlegung der Häftlinge von Natzweiler nach Dachau. 6) Arendse war inzwischen auf unter 40 kg abgemagert. Hungerödeme hatten Löcher in seinem Körper hinterlassen, seine Füße waren bis auf die Knochen offen. Seit dem „Schuhgeschäft“ in Buchenwald hatte seine Familie von ihm kein Lebenszeichen mehr erhalten.

Am 7. September 1944 wurde Hendricus Arendse mit 1.500 Häftlingen von Dachau in das KZ-Außenlager Dachau-Allach verlegt. 1) Mit anderen NN-Häftlingen musste er von September 1944 bis 23. Januar 1945 im BMW-Flugmotorenwerk in Allach Zwangsarbeit leisten. 2) Krank und erschöpft wurde er am 22. Januar 1945 mit 57 weiteren NN-Häftlingen in den Block 29 („Quarantäneblock“) des KZ-Dachau überstellt. 3) Dort lag er mehr als zwei Wochen im Koma. Am 29. April 1945 um 17:20 Uhr wurde Hendricus Arendse durch die „42. Rainbowdivision“ der 7. Armee aus dem KZ-Dachau befreit. Hendricus Arendse wurde am 20. Mai 1945 aus dem Lager Dachau nach Hause entlassen. Doch es dauerte eine Zeit, bis er nach Hause konnte. Er musste zunächst in Eindhoven in Quarantäne. Am 2. Juni 1945 traf er Zuhause ein.

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