Häftling im KZ-Außenlager Dachau-Allach
Westerbarkey, Ferdinand, geb. 23.2.1914 in Gütersloh, Kosulatsekretär, # 45714, Sch., ledig, Deutscher.
Ferdinand Westerbarkey war Konsulatssekretär am Deutschen Konsulat in Madrid, ab 1939 Mitglied der NSDAP. Er wurde am 19.7.1941 in Henday verhaftet. Westerbarkey hatte angeblich gedroht, Unstimmigkeiten innerhalb des Konsulats den spanischen Behörden mitzuteilen. Er war verheiratet und hatte 1 Tochter. Vgl. ITS 1.1.6.2\WEK-WIG\00109438\0008. Auf Anordnung der Stapo Münster wurde er am 25.6.1942 in das KZ-Buchenwald eingewiesen. Von dort wurde er am 4.3.1943 in das KZ-Außenlager Dachau-Allach überstellt. Der oben von Westerbarkey erwähnte Transport aus Buchenwald nach Dachau-Allach zählte 500 Häftlinge. Vgl. dazu: ITS 1.1.6.1\0001-0189\0022\0040 und ITS 1.1.6.1\0001-0189\0040\0198.
„Anfang 1941 wurde ich von der Gestapo in San Sebastian/Spanien festgenommen und zur Gestapo Bielefeld verschubt. Im Anschluss daran kam ich in das KL Buchenwald und von dort am 3.3.1943 in das KZ Außenlager Dachau Allach. Der Transport vom KL Buchenwald nach Allach war etwa 300 Mann stark. Eine Verurteilung durch ein deutsches Gericht erfolgte nicht. Meine Häftlingsnummer in Allach lautete 4717.
Als unser Transport im März 1943 im Außenlager Allach ankam, waren nur einige Baracken vorhanden. Ausserdem befanden sich dort einige SS-Angehörige und Häftlinge aus dem KL Dachau. Um das Lager war bereits ein elektrisch geladener Zaun. Wir hatten die Aufgabe, das Lager im Laufe der Zeit auf- und auszubauen. Im genannten Lager verblieb ich dann bis Juni 1945. Ich hatte als Lagerschreiber die Aufgabe, zusammen mit den amerikanischen Truppen, die schriftlichen Angelegenheiten des Lagers abzuwickeln.
Erster Lagerführer im Außenlager Allach war Jarolin. 1) Zweiter Lagerführer war SS-Hscharf. Eberl. 2) Nach meiner Erinnerung wurde Eberl im Herbst 1944 zum Außenlager Mühldorf versetzt. Sein Nachfolger war ein SS-Hscharf. Müller 3) Lagerälteste waren von 1943 bis Kriegsende Karl Wagner, 4) Schöller 5) und Karl Lorenz. 6)
Von den SS-Angehörigen ist mir noch der Rapportführer Steinke 7) die Kommandoführer Schneider 8) und Jentsch 9) in Erinnerung. Von den deutschen Häftlingen, die das Lager mit aufbauten, sind mir noch Karl Hauff 10) Gustl Baumann 11) und Meislinger 12) bekannt.Ich selbst war anfangs Blockältester, vermutlich von Block 3 und wurde nach einigen Monaten Lagerschreiber. Diese Funktion übte ich bis zur Befreiung aus. Leiter des Krankenreviers war Ferdinand Karpik, 13) wohnhaft in Bad Homburg, von der Höhe,
Am Rabenstein 7. In der SS-Schreibstube befand sich der ehemalige Wehrmachtsfeldwebel Rappel 14) der jetzt in München beim Bundespatentamt tätig ist.
Auf der mir vorgelegten Lichtbildtafel erkenne ich auf den Bildern Nr. 4, 9 und 10 den Beschuldigten Eberl wieder.
Tötungshandlungen von dem Beschuldigten Eberl sind mir vom iHörensagen und als Augenzeuge nicht bekannt. Eberl war allgemein im Lager Allach als „Schwein” und als "Verrückter" bekannt. Während man allgemein von Jarolin sprach, dass er an den Massenerschießungen russischer Kriegsgefangener im KL Dachau beteiligt war, wurde dies von Eberl nicht gesagt.
Erinnerlich ist mir, daß im Lager Allach etwa 8 bis 10 Häftlinge erhängt wurden. Bei diesen Exekutionen kam ein Lastwagen vom KL Dachau mit einigen Leuten, die auch den Galgen mitbrachten. Von dem Exekutionskommando ist mir noch der Kapo Knoll 15) in Erinnerung. Bei derartigen Anlässen mußten die gesamten Häftlinge und alle verfügbaren SS-Angehörige auf dem Appellplatz antreten und der Exekution beiwohnen.
In einem Falle wurde ein deutscher und ein polnischer Häftling aufgehängt, weil sie angeblich während ihrer Tätigkeit beim Bombensuchkommando eine Uhr oder einen Wecker organisierten. Im zweiten Fall wurden 6 russische Häftlinge, angeblich wegen Sabotage, in der Zylinderkopffertigung des Flugzeugmotorenbaues in den BMW-Werken aufgehängt.
Bei diesen beiden Erhängungen waren - wie bereits erwähnt - alle verfügbaren Häftlinge und SS-Angehörige auf dem Appellplatz angetreten. Mir ist bekannt, dass bei dem deutschen und polnischen Häftling - erster Fall - das Todesurteil im Bunker bekannt gegeben wurde. Bei den 6 russischen Häftlingen wurde kein Urteil vorgelesen und von einem Dolmetscher übersetzt. Bei den Exekutionen waren auch Jarolin und Eberl angetreten.
Erinnerlich ist mir auch noch, daß etwa 4 bis 5 Häftlinge „auf der Flucht” vermutlich von der Bewachungsmannschaft erschossen wurden. Einige Häftlinge liefen freiwillig in den elektrisch geladenen Zaun. Abschließend möchte ich sagen, daß ich mit dem Beschuldigten Sebastian Eberl weder verwandt noch verschwägert bin.
Meine Angaben entsprechen der Wahrheit und bestätige dies durch meine Unterschrift.” 16)
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1) Josef Jarolin, SS-Hauptsturmführer und Lagerkommandant des KZ-Außenlagerkomplexes Dachau-Allach von 15.2.1943 bis Befreiung.
2) Sebastian Eberl, stellv. Lagerkommandant von 1943 bis 1944 des KZ-Außenlagerkomplexes Dachau-Allach. Eberl galt als unberechenbar und wurde von den Häftlingen auch als ‚hinkender Teufel‘ bezeichnet.
3) Max Müller, SS-Untersturmführer, * 12.9.1910 in München, Buchhalter.
4) Karl Wagner, * 13.5.1909 in Marbach, # 244, Hilfsarbeiter. Sch., led., Deutscher. Lagerältester. Am 18.7.1944 strafweise nach BuchenwaId überstellt. Vgl. ITS 1.1.6.7\WAGN-WAT\0113.
5) Wilhelm Schöller, * 31.8.1915, # 1047, Hilfsarbeiter, Sch., led., kath., Deutscher. Lagerältester. Vgl. ITS 1.1.6. 7\SGHLI-SGHQ\1519.
6) Karl Lorenz, * 19.1.1906, # 828, Kaufmann, Sch., verh., 1 Kind, kath., Deutscher. Lagerältester. Vgl. ITS 1.1.6.7\LISKI-LOZ\1440.
7) Paul Steincke, * 17.5.1906, SS-Oberscharführer, Rapportführer in Dachau-Allach.
8) Karl Heinrich Schneider, * 1899, SS-Unterscharführer, Hundeführer, Zeit: Von 1. September 1943 bis April 1945 in Dachau-Allach. Case No. 000-50-2-115 (US vs. Johann Koenig et al) Tried 7 Oct. 47.
9) Heinz Jentsch, (1917 -1994) Landwirt, 1934 SS-Eintritt, November 1934 Wachmann im KZ Sachsenburg, 1938 Mauthausen, Ende 1940 bis Februar 1943 im KZ-Außenlager Gusen, November 1942 SS-Hauptscharführer, Juli 1944 Rapportführer im Dachauer Außenlager Allach-Karlsfeld; 1968 vor dem Landgericht Hagen wegen Morden im KZ-Gusen zu lebenslänglicher Haft verurteilt, 1982 auf Bewährung entlassen. Zeit: Ab Sommer 1944 im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld als Hundeführer mit Schäferhund ‚Nero‘.
10) Karl Hauff, * 15.10.00 in Engelsbrand, # 94, Kaufmann, Sch., verh., 1 Kind, Deutscher. Vgl. ITS 1.1.6.7\HAL-HEH\1218.
11) Gustav Baumann, * 19.10.1917, # 33899, Laborant, Sch., led., kath., Deutschösterreicher. Vgl. ITS 1.1.6.7\BARRE-BEG\1111.
12) Adolf Meislinger, * 9.12.1903, # 37184, Maschinenschlosser, Sch., led., Deutscher. Vgl. ITS 1.1.6.7\MAG-MANB\0482.
13) Ferdinand Karpik, * 11.5.1923, # 5432, Heizungsgehilfe, Sch., led., kath., Pole. Vgl. ITS 1.1.6.7\KAM-KASO\1377.
14) CIemens Rappel, * 23.8.1914, Wehrmachtsfeldwebel.
15) Christof KnolI, * 20.4.1895 in Fürth, # 45061/3700, Schneidermeister, Sch., gesch., 2 Kinder, Deutscher. Seit September 1933 als Häftling in verschiedenen KZ, in Karlsfeld ab 20.7.1944 Kapo, 1946 im Dachauer Hauptprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet.
16) Ferdinand Westerbarkey, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34706, Blatt 85 f.
