Die Erstbelegung des Lagers

Beweise, dass das Außenlager ausschließlich von Dachauer KZ-Häftlingen erbaut wurde, wurden nicht gefunden. Allerdings schreibt Edgar Kupfer-Koberwitz in sein Tagebuch am 30.03.1943, dass „von unserem Lager in Dachau 1.600 Mann bei der Firma B.M.W. in Allach, einer Motorenfabrik, beschäftigt“ sind. 1) Er schreibt weiter, dass die Dachauer Häftlinge bei Erdarbeiten eingesetzt sind. Der Einsatz von etwa 1.500 KZ-Häftlingen wird für diesen Zeitpunkt auch von Lagerkommandant Jarolin bestätigt. Sie kamen allerdings nicht aus Dachau, sondern aus den Lagern Flossenbürg, Natzweiler und Buchenwald. 2) Transportnachweise des SS-WVHA bestätigen ab März 1943 eine Lagerbelegung von über 2.300 Häftlingen. So waren u.a. 600 Häftlinge des KL Niederhagen unterhalb der Wewelsburg geschlossen zum „Bestimmungsbahnhof Allach“ transportiert worden. 3) Intern wurden diese KZ-Häftlinge von BMW als „Gefolgschaftsmitglieder“ geführt. Sie waren damit offiziell „lohnabhängig Beschäftigte“. BMW überwies die Löhne dafür direkt an die SS, die Häftlinge selbst erhielten keinen Lohn, später jedoch geringe „Prämien“. 4) Juden und KZ-Bauhäftlinge erhielten grundsätzlich keinen Lohn. 5) Die Geldverwaltung innerhalb des Lagers erfolgte über eine „Geldverwendungskarte“, auf der Einzahlungen, Prämien und andere Überweisungen verbucht wurden. Je nach SS-Erlaubnis konnte dem KZ-Häftling von seinen Angehörigen per Postscheck oder Bank Geld angewiesen werden, das auf seinem Lagerkonto vom Blockschreiber gebucht wurde. Auch größere Beträge waren zulässig. Bargeld war verboten, der Besitz mit 25 Stockschlägen bestraft. In der Lagerkantine des KZ-Außenlagers konnte mit „Buchgeld“ oder „Prämienscheinen“ bezahlt werden. Dort gab es Schreib- und Rauchwaren, Reinigungs- und Hygieneartikel sowie alkoholfreie Getränke zu kaufen. 6) „Prämienzahlungen“ an die Häftlinge beruhten ausschließlich auf der Empfehlung des SS-Arbeitseinsatzführers. Überweisungen waren innerhalb des Lagers möglich, z. B. von Block zu Block.
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1) Edgar Kupfer-Koberwitz, Dachauer Tagebücher, Die Aufzeichnungen des Häftlings 24814, München 1997, S. 95: „Sie leisten dort zur Zeit Aufbauarbeit, Erdarbeit. Sie haben es sehr schwer wie ich höre. - Die Capos prügeln, es gibt viel Hunger, die Leute fressen Wurzeln, die sie beim Graben finden, und werden krank. Gutman soll dort Oberkapo sein.“ Auf Seite 101 vermerkte er für den 11.4.43: „Heute kam ein Auto, als wir ins Lager marschierten. - Auf dem Wagen waren 5 Häftlinge, sie stiegen herunter. - In der Kiste, auf der sie gesessen hatten lag ein Toter. - Später sahen wir sie im Bad, - ganz magere Elendsgestalten. - Sie kamen aus Allach. - Dort muss es schlimm sein. Christel Knoll, der ehemalige Judenblockälteste, Sammerdinger, der Judenmörder, Rohr Hans, der brutale Fremdenlegionär, sind dort Capos und andere herrliche Blüten. - Gutmann soll dort Blockältester und Lagerältester zugleich sein und sich sehr schlecht benehmen. - Schade.“ Und der Häftling Carl berichtet: „Das Vorkommando für Allach wurde schon in den ersten Tagen des März 1943 zusammengestellt. Es bestand aus Scholler, Carl, Rohr, Gröhner und einem sudetendeutschen Friseur, dessen Name mir entfallen ist. Wir wurden erst in Quarantäne gehalten, weil damals noch Sperre wegen Typhus bestand und kamen erst Ende März nach Allach. Dort standen nur einige Baracken, alles leer und kein Drahtzaun. Wir waren also vollständig frei in der Natur. Nach zwei bis drei Wochen kamen die ersten Häftlinge und auch Wachmannschaften.“, Gustav-Alfred Carl, KZGSD Archiv 6444.
2) Vgl. Josef Jarolin, Zusammenfassender Entwicklungsbericht über den Arbeitseinsatz 1943 - 1944, KZGSD Archiv 24.718. 
3) Vgl. dazu: BArch NS 4-FL/390 Blatt 183 ff., Zugangsliste vom 26.2.1943: ITS 1.1.6.1\0001-0189\0040\0167 ff. Bis Anfang März 1943 waren ca. 2.100 KZ-Häftlinge aus den Lagern Natzweiler, Buchenwald, Flossenbürg, Lublin und Niederhagen direkt nach Allach verlegt worden. Diese Transporte wurden auf Anweisung des WVHA direkt über den Bahnhof Allach abgewickelt. Hintergrund war eine von Januar bis Mai 1943 grassierende Typhusepidemie im KZ-Dachau, das unter Quarantäne stand.
4) Vgl. KZGSD Archiv 25185, Arbeitslager Allach im Rüstungseinsatz 1943 - 1944. KZ-Häftlinge waren nicht renten- und krankenversichert.
5) Vgl. BArch NS 3/133, Blatt 235: „Die Häftlinge werden dem Unternehmen unentgeltlich zur Verfügung (...) gestellt.“
6) Vgl. ITS 1.1.6.0\0023\225\0022. Wörtlich: „(...) Die Einkäufe wurden von ihren auf den Blöcken geführten Konten belastet bzw. abgebucht.“

 

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