Erste Überlegungen, KZ-Frauenhäftlinge bei BMW-Allach in der Flugmotorenproduktion einzusetzen, sind im Juni 1944 erkennbar. Im Monatsbericht T3-Triebwerke für den Juni 1944 hatte BMW-Allach an das RLM festgestellt: „Erhebliche Schwierigkeiten bei dem für das letzte Quartal 44 vorgesehenen Abzug der bei T3 eingesetzten 4.600 Jungtschechen zu erwarten. Durch Zuweisung von 2.500 KZ-Frauen soll ein Teil der Tschechen ersetzt werden, während Ablösung der z.Zt. im Werk Allach beschäftigten Tschechen durch KL-Häftlinge erfolgen soll. Voraussetzung ist die Zuweisung der Ersatzkräfte zu einem Zeitpunkt, welcher ausreichende Anlernzeit gewährleistet." 1) Für Juli 1944 wird für BMW-Allach eine Belegschaftsstärke von 16.350 Lohnempfänger festgestellt sowie ein Zugang von weiteren 972 KZ-Häftlingen verbucht. 2) Offenbar wurden innerhalb von BMW-Allach dazu mehrere Unterbringungsmöglichkeiten diskutiert. In einer Besprechung aus Anlaß zu beseitigender Bombenschäden und notwendiger Umquartierung von wohnungslos gewordenen Fremdarbeitern vom 1. Juli 1944 ist im Protokoll zur Situation des BMW-Fremdarbeiterlagers Leopoldstraße zu lesen, das „Im Einvernehmen mit VG und FW (..) beabsichtigt [war,] ca. 450 - 500 Franzosen in dem für Massenquartiere von BBV zur Verfügung gestellten Wohnblock an der Hiltensbergerstraße unterzubringen und außerdem weitere 4 - 500 Ausländer in das Wohnlager an der Schleißheimerstraße umzuquartieren, so daß der Abschnitt B des Wohnlagers an der Leopoldstraße für andere Zwecke (evtl. „Frauenkonzentrationslager“) verwendet werden kann.” 3) Dazu kam es jedoch nicht. Vermutlich ist das der Hintergrund für
eine Entscheidung zugunsten des Umbaus eines Teil des Judenlagers - O.T.-Lager Allach-Karlsfeld - zu einem „Frauenlager”. Ein Frauentransport in das O.T.-Lager Karlsfeld ist 1944 feststellbar. Beide Transporte wurden von Dachau in das O.T.-Lager Karlsfeld umgeleitet. So verzeichnete der Transport vom 16. November 1944 die Ankunft von 404 Frauen und 56 Kindern im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld. Letztere erhielten die Nummern 128683 bis 128738. 4) Die Frauen und Kinder stammten aus Ungarn, Serbien, Slowenien, Kroatien, Jugoslawien, der Slowakei und Russland. Darunter befanden sich auch 76 Zigeunerinnen und 98 Jüdinnen. Drei der Frauen aus diesem Transport wurden zur Arbeit bei BMW eingesetzt. 461 Frauen - einschließlich der 56 Kinder - wurden am 24. November 1944 weiter in das KZ-Bergen-Belsen überstellt. Die Kinder gelten seitdem als „verschollen“. Denkwürdig: Exakt 56 Kinder wurden am 12. Mai 1945 im Außenlager Allach von der US-Armee registriert. Ob es sich dabei um die 56 Kinder des Transportes vom 16. November 1944 handelte, ist ungeklärt. Ein weiterer Transport nach Allach von 1045 Frauen ist am 20. November 1944 aus Budapest registriert. Von diesem Transport starb am 23. November Ilono Papa, zwei weitere Frauen verloren am 17. Dezember 1944 ihr Leben: Klara Rosza und Eva Ney. Von den drei Frauen sind uns die Schreibstubenkarten erhalten geblieben. 5) Dieser Transport setzte sich aus 675 Jüdinnen und 370 Zigeunerinnen zusammen. 6) Alle Frauen trugen bei Einlieferung Zivilkleidung. Von einem „Frauen- oder Zigeunerlager“ innerhalb des Außenlagerkomplexes kann indes nicht gesprochen werden. 7) Das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld bzw. der Quarantänebereich des KZ-Außenlagerkomplexes diente hier lediglich als Transitlager. Das Quarantänelager lag südlich der U-Baracke des Krankenbereichs innerhalb des SS-Arbeitslagers. 8)
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1) BArch R3/3058 IWM, Monatsbericht Triebwerke T-3 Juni 1944, Blatt 3.
2) Ebd., Lagebericht des Werkes Allach Monat Juli 1944. Blatt 14.
3) BMW group archiv, UA-20-1, Blatt.
3) Vgl. dazu auch: ITS 1.1.6.1\0001-0189\0033\0036. Liste vom 20.11.1944: 56 Kinder sind am Ende der Liste als „Summe“ genannt.
4) Vgl. Klara Rozsa, ITS 1.1.6.7\ROSG-RUDI\1265. Sie kam mit dem Transport der Sipo Budapest am 23.11.1944 in Dachau an und stammte aus Budapest. Vgl. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0033\0106. Im Dachauer Zugangsbuch wurde aus Ney der Nachname Key. Sie war Beamtin und kam ebenfalls aus Budapest. Vgl. dazu auch: ITS 1.1.6.1\0001-0189\0033\0098. Auf ihrer Häftlingskarte aus Karlsfeld wird sie ebenfalls mit dem Nachnamen Ney geführt. Ilono Papa kam am 19.11.1944 mit dem Frauentransport der Sipo aus Budapest in Karlsfeld an. Sie stammte aus Jaskorajenö in Ungarn. Vgl. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0033\0034. Nach ihrer Ankunft in Dachau wurden die drei Frauen am 24.11.1944 in das Lager Karlsfeld eingewiesen. Ilono Papa verstarb am 23.11.1944, Eva Ney und Klara Rosza am 17.12.1944.
5) Vgl. ITS 1.1.6.0\0006\203\0283 und ITS 1.1.6.1\0001-0189\0047\0226.
6) Zdenek Zofka spricht in seinem Aufsatz von einem „Frauen- und Zigeunerlager“. Für diese These gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Richtiger wäre es, von einer zeitweisen Verlegung in das Quarantänelager von Dachau-Allach zu sprechen. Vgl. Zdenek Zofka: Allach - Sklaven für BMW, in: Dachauer Hefte (Sklavenarbeit im KZ), Heft 2, November 1986, S. 68 - 78. Das KZ-Ravensbrück wäre ein solches Frauenlager.
7) Vgl. ITS 1.1.6.0\0006\203\0286 und ITS 1.1.6.1\0001-0189\0033\0029 ff. Der Quarantänebereich befand sich südlich des U-Revierblocks und bestand aus vier Steinbaracken. Der Bereich war mit Maschendrahtzaun gesichert.
